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Amazonas: Forscher entdecken Wespe mit gigantischen Stachel

Baku, 9. Juli, AZERTAC 

"Ich habe lange Zeit tropische Parasitoidwespen studiert, aber so etwas habe ich noch nie gesehen", sagt Ilari Sääksjärvi von der Universität Turku in Finnland. Gemeinsam mit Kollegen hat er im südamerikanischen Amazonas-Gebiet eine Schlupfwespe mit einem ungewöhnlich langen und dicken Stachel entdeckt.

Der Stachel des Insekts namens Clistopyga crassicaudata ist mehr als vier Millimeter lang und damit fast halb so lang wie der knapp zehn Millimeter lange Körper. Insgesamt stellen die Forscher sieben neue Arten der lange bekannten Gattung Clistopyga in der Fachzeitschrift "Zootaxa" vor, aber nur die Art C. crassicaudata besitzt einen derart ausgeprägten Stachel.

Parasitoidwespen legen ihre Eier mit Hilfe ihres Stachels an oder in anderen Tieren oder deren Nestern ab, vor allem Spinnen sind ihre Wirte. Die Larven der Schlupfwespe fressen ihren Wirt dann auf.

Lange Stachel sind bei Parasitoidwespen üblich, weil sie damit auch Wirte erreichen, die beispielsweise im Holz von Bäumen leben. In der Regel verwenden Parasitoidwespen ihren Stachel sowohl zur Eiablage als auch zum Spritzen von Gift, um ihr Opfer zu lähmen. Ob der Stachel von Clistopyga crassicaudata noch mehr Funktionen hat, ist derzeit nicht bekannt.

Stachel als Filznadel - Die Forscher verweisen in diesem Zusammenhang auf eine bislang unbeschriebene, europäische Art derselben Gattung: Bei ihr beobachteten Sääksjärvi und ein Kollege, dass sie mit ihrem Stachel wie mit einer Filznadel Spinnennester zunähen und den Wirten damit eine Fluchtmöglichkeit nehmen kann.

Bei der Gattung Clistopyga sind bisher drei Gruppen von Arten bekannt. Alle neuen Arten stammen aus dem Amazonas-Gebiet, insbesondere aus der vielfältigen Übergangszone zwischen den Anden und dem amazonischen Tieflandregenwald. Beschrieben werden die stacheltragenden Weibchen, nur von einer der neuen Arten ist auch das Männchen bekannt.

Die Entdeckung der neuen Arten würde auch bei der Erhaltung der gefährdeten Regenwälder helfen, sagt Sääksjärvi. "Schöne und aufregende Arten mit seltsamen Angewohnheiten ziehen die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich und unterstreichen die Bedeutung der Erhaltung gefährdeter Ökosysteme."

Es kommt immer wieder vor, dass Arten neu entdeckt werden, zuletzt wurde sogar in der Nordsee eine neue Flohkrebsart gefunden. Oft handelt es sich dabei aber um bereits bekannte Tierarten, die neu bewertet werden und anschließend zu einer anderen Art gezählt werden. Im brasilianischen Amazonas-Gebiet sind dagegen nach Schätzungen von Forschern etliche Tier- und Pflanzenarten noch nicht beschrieben.

Die Region erstreckt sich über rund fünf Millionen Quadratkilometer und beherbergt Tausende Tier- und Pflanzenarten. Nach einem Bericht des WWF Brasilien wurden allein in den Jahren 2014 und 2015 381 neue Spezies gefunden.

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