KULTUR


Wenn über 5000 Meter Höhe das Lächeln gefriert

Baku, den 1. Dezember (AZERTAG). Ein bisschen nervös ziehen wir in der Dämmerung die Schulterriemen unserer Rucksäcke fester. Ingwertee wärmt die in der Morgenluft klamm gewordenen Finger. Weniger als 200 Kilometer trennen uns vom lauten Kathmandu, der Hauptstadt Nepals. Von dort sind wir am Vortag mit dem Jeep durch Festivalstaus nach Bhulbule gelangt. Ein letztes Mal Motorenlärm. Zehn Tage Stille liegen vor uns.

„More walk, less talk“ hatte uns der Mann an der Hotelrezeption hinterhergerufen. Er sollte Recht behalten. Die Erwartungen an eine Reise durch den Himalaya sind so vielschichtig wie die Natur der Region. Der eine sucht nach Superlativen – und findet sie. Eine Wanderung durch das Annapurna-Massiv führt über den Thorong La, mit fast 5500 Metern der höchste dauerhaft begangene Pass der Welt. Von hier sieht man den Annapurna I, mit einer „Todes-zu-Erfolgs-Rate“ von eins zu eins der gefährlichste Berg der Welt.

Ein Abstecher führt zum Tilicho Lake, dem höchstgelegenen See der Erde. Der andere will nichts geringeres finden als Shangri-La – das sagenumwobene Paradies des Ursprungs, das der Sage nach hier irgendwo zwischen den Bergriesen liegen soll. Fast jeder aber sucht nach Entschleunigung in der Bewegung. Noch ist die Stille ein einziges Dröhnen.

Flankiert von donnernden Wasserfällen beginnen wir unseren Marsch, umgeben vom satten Grün der Reisterrassen. Hupendra, der uns als Guide über die 162 Kilometer lange Strecke begleiten wird, gibt den Takt vor. Ein Tempo, bei dem ein normaler Spaziergang durch die Fußgängerzone wie ein Sprint erscheint. Doch wir vertrauen dem Mann aus der Everest-Region. „Ihr werdet sehen: Wir holen alle Raser wieder ein“, sagt er. „Spätestens am Pass.“ Die Hitze lässt binnen weniger Stunden ohnehin jeglichen sportlichen Ehrgeiz verdampfen. Die saftige subtropische Landschaft weicht am Ufer des Marsyandi-Flusses langsam dichten Eichenwäldern. Einatmen. Ausatmen. Loslassen.

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