Alonsos erschummelter Sieg zur Singapur-Premiere
Baku, 25. September, AZERTAC
Am 28. September 2008 sollte ein neues Kapitel in der Geschichte der Formel 1 aufgeschlagen werden. Der neu geschaffene Große Preis von Singapur vereinte den spektakulären Stadtkurs des Marina Bay Street Circuits mit den speziellen Herausforderungen eines Nachtrennens.
Was vor allem blieb, war allerdings einer der größten Schummeleien in der Geschichte der Motorsport-Königsklasse, der als "Crashgate" in die Annalen eingehen und erst ein Jahr später ans Licht kommen sollte.
Was war passiert? Nach einem vollkommen missratenen Qualifying steht Renaults Erfolgspilot und zweimaliger Weltmeister Fernando Alonso vor einem schwierigen Rennen. Im Leitplanken-Dschungel von Singapur dürfte es mit dem Überholen von Platz 15 startend schwierig werden.
Der Spanier blickt ohnehin auf eine schwierige Saison zurück, noch kein einziges Mal in jener Saison steht er auf dem Podium. Noch schlechter fährt der unerfahrene Teamkollege Nelson Piquet jr., der in 50 Prozent der Rennen gar nicht erst die Zielflagge gesehen hat.
Um Fernando Alonso irgendwie nach vorne zu bekommen, setzen die Renault-Bosse um Teamchef Flavio Briatore und Renningenieur Pat Symonds alles auf eine Karte.
Sie schicken den Spanier mit deutlich weniger Sprit im Tank ins Rennen und wählen damit eine komplett entgegengesetzte Taktik im Vergleich zu allen anderen Topfahrern um Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes oder Felipe Masse und Kimi Räikkönen im Ferrari.
Piquet jr. crasht in die Mauer: Wirklich nur ein Rennunfall? - Der Spanier dreht also einen kurzen ersten Stint, lässt sich bereits nach zwölf von 61 Runden an der Box betanken und fährt fortan dem gesamten Fahrerfeld als Letzter hinterher. Die Renault-Taktikbosse gehen damit ein extrem hohes Risiko und hoffen auf einen Zwischenfall, der Alonso während einer Safety-Car-Phase wieder nach vorne spülen könnte.
Und tatsächlich: Nur zwei Runden später kommt es zum Crash! Ausgerechnet Alonso-Teamkollege Nelson Piquet jr. verliert die Kontrolle über seinen Wagen und kracht in die Mauer. Ausgerechnet in Kurve 17 - dort, wo sich keine Auslaufzone befindet. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt des Rennens, sodass in der folgenden Safety-Car-Phase die versammelte Konkurrenz zum vorgeschobenen Stopp an die Box kommt.
Ganz schön viele Zufälle für ein Rennen. Alonso ist es egal: Er übernimmt noch im ersten Renndrittel überraschend die Führung und fährt nach 61 Umläufen seinen ersten Saisonsieg ein.
Das Glück des Tüchtigen, wie der Asturier selbst euphorisiert meinte: "Ich kann das nicht glauben, ich werde einige Tage brauchen, bis ich realisiere, dass wir dieses Jahr ein Rennen gewonnen haben."