Ammoniak-Emissionen fördern Erderwärmung, schaden der Umwelt und der Gesundheit
Baku, 29. März, AZERTAC
Die Verwendung von Stickstoffdüngern in der Lebensmittelproduktion hat eine lange Tradition in der deutschen Landwirtschaft. Schon im Deutschen Reich, noch vor Beginn des Ersten Weltkriegs, wurden Zehntausende Tonnen des Mittels auf deutsche Felder gekippt. Inzwischen weiß man, dass das weitreichende negative Folgen für Umwelt und Klima haben kann: Beispielsweise entsteht im Boden das klimaschädliche Lachgas (N2O) immer dann, wenn überschüssiger Stickstoff (N) nicht von Pflanzen aufgenommen werden kann.
Wie AZERTAC unter Berufung auf ausländische Massenmedien berichtete, und auch Nitrat, zu dem die Stickstoffverbindungen im Erdreich umgebaut werden, hat einen schlechten Ruf. Es sickert ins Grundwasser, aus dem überwiegend das Trinkwasser stammt. Dabei sind erhöhte Nitratkonzentrationen schädlich für den Menschen. Eine weitere Folge der Überdüngung ist bisher nicht so stark im Fokus: Sie betrifft die Freisetzung von Ammoniak (NH3). Die gasförmige Stickstoffverbindung entweicht in der Tierhaltung hauptsächlich aus Stallmist und Gülle, die wiederum auf den Feldern als Dünger eingesetzt wird.
Nun zeigt eine Studie: Ammoniak-Emissionen, die fast ausschließlich auf den Agrarsektor zurückgehen, sind von 1980 bis 2010 weltweit um fast 80 Prozent gestiegen. Das berichtet ein überwiegend chinesisches Forschungsteam in den “Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (“PNAS“).
Inzwischen würden die Folgen der Nutzung von Stickstoff immer deutlicher, heißt es. In den letzten 50 Jahren habe reaktiver, also reaktionsfreudiger, Stickstoff - dazu zählen etwa Stickstoffoxide, Nitrate und Ammoniak - in der Umwelt stärker zugenommen als irgendein anderes Element, schreibt das Team um Lei Liu von der Universität Lanzhou.
Dabei habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die intensivierte Landwirtschaft einen Stickstoffüberschuss produziert, der die Umwelt schädigt und die menschliche Gesundheit beeinträchtigt, schreiben die Forscher. »Die Landwirtschaft ist verantwortlich für etwa zwei Drittel der globalen Belastung mit reaktivem Stickstoff«, heißt es.
Während sich die globale Nahrungsmittelproduktion in den vergangenen vier Jahrzehnten verdoppelt habe, habe sich der Einsatz von synthetischem Stickstoffdünger verdreifacht. Gleichzeitig sank die Effizienz: 2010 seien nur noch durchschnittlich 40 Prozent des eingebrachten Düngers von den Pflanzen aufgenommen worden. Ein Großteil landet also in Böden, Gewässern und in der Luft.
Zunahme im Ackerbau um 128 Prozent - Anhand von weltweiten Daten zur Stickstoffdüngung und zur Tierhaltung erstellte das Team um Liu ein Modell, wie sich die Emissionen von Ammoniak aus der Landwirtschaft von 1980 bis 2018 entwickelt haben. Die gasförmige Verbindung entweicht in die Atmosphäre und wird vom Wind verteilt. Dem Modell zufolge wurden im Jahr 2010 schätzungsweise 119 Millionen Tonnen reaktiver Stickstoff aus der Atmosphäre abgelagert - 60 Prozent davon an Land, 40 Prozent im Meer. Das betrifft auch entlegene Regionen wie etwa Grönland. Angesichts der beträchtlichen Überdüngung könne man den Stickstoff-Einsatz deutlich senken, ohne große Einbußen in der Produktion zu riskieren, betont das Team.
Ammoniak trägt auch zu Feinstaubentstehung bei und schädigt so die Gesundheit. Zudem setzt er Pflanzen zu, lässt Böden versauern und bedroht die Artenvielfalt zu Land und Wasser, etwa durch die Nährstoff-Anreicherung.
Der Studie zufolge nahmen die Emissionen aus dem Ackerbau um 128 Prozent zu, die aus der Tierhaltung um 45 Prozent. Der Hauptteil der Emissionen - mehr als 70 Prozent - entfällt demnach auf drei Feldfrüchte
Weizen, Mais und Reis
und vier Nutztiere
Rinder, Hühner, Ziegen und Schweine.
Drei Länder - China, Indien und die USA - sind demnach für fast die Hälfte der globalen Emissionen (48 Prozent) verantwortlich - und für fast zwei Drittel (65 Prozent) der Übernutzung von Stickstoffdünger, berichten die Forscher weiter. Besonders deutlich ist dies in China: Das Land stellte im Jahr 2010 etwa sieben Prozent der globalen Anbaufläche, setzte aber mehr als 30 Prozent des weltweit genutzten Stickstoffdüngers ein. Ackerpflanzen dort nahmen den Forschern zufolge 2010 nur 25 noch Prozent des eingesetzten Düngers auf. In Indien ist die Situation nicht ganz so drastisch, die Entwicklung aber ähnlich.