Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Analyse von Formel-1-Wochenende in Baku

Analyse von Formel-1-Wochenende in Baku

Baku, 2. Mai, AZERTAC

Für Carlos Sainz war das Formel-1-Wochenende in Baku im Grunde nicht mehr als eine Schadensbegrenzung. Der Spanier fühlte sich das gesamte Wochenende über nicht mit dem Auto wohl und kam sowohl im Sprint als auch im Rennen auf Position fünf ins Ziel.

Der Abstand zu Teamkollege Charles Leclerc war dabei aber in allen Sessions eklatant: Im Qualifying am Freitag fehlten ihm acht Zehntelsekunden auf den Monegassen, im Sprint-Shootout am Samstag waren es sechs Zehntelsekunden. Und im Rennen ließ er sich stolze 24,3 Sekunden abnehmen, obwohl er nicht im Verkehr hing.

"Er war das ganze Wochenende im Hintertreffen", sagt Teamchef Frederic Vasseur. Das macht er am Selbstvertrauen fest, das dem Spanier am Wochenende gefehlt habe. Das ging schon im Qualifying los, als er auf seiner ersten schnellen Runde in Q1 einen Fehler machte, einen neuen Reifensatz brauchte und dann den anderen immer einen Schritt hinterher war.

Für Vasseur ist das auch ein Effekt des Sprintformats, das den Piloten in Baku keine Zeit zum Eingewöhnen gab, da es nach nur einem Training, das auch für einige Zeit unterbrochen war, direkt ins Qualifying ging.

"Es ist schwierig, dann wieder zurückzukommen. Normalerweise bauen die Fahrer ihre Pace über FT1, FT2 und FT3 auf, aber wenn du an diesem Wochenende nicht mit der richtigen Pace startest, dann bist du ein wenig verloren", sagt er.

Sainz erlebte dann am Sonntag einen durchwachsenen Grand Prix. Der erste Stint auf Medium-Reifen sei einigermaßen in Ordnung gewesen, und mit 2,5 Sekunden Rückstand hatte er noch einigermaßen Tuchfühlung zu Teamkollege Leclerc. Als aber dann das Safety-Car herauskam und Sainz auf die harten Reifen ging, war das gute Gefühl schon wieder weg.

"Auf dem Medium sah es so aus, als hätte ich ein wenig Pace zurückgefunden, aber sobald ich auf den harten Reifen war, waren meine Probleme wieder da", hadert er. "Ich war immer nah an einem Unfall und hatte häufig das Gefühl, dass ich das Auto verlieren würde. Von daher war es ein sehr langes und stressiges Rennen."

Keine Retourkutsche gegen Alonso - Beim Re-Start ließ sich Sainz dann auch noch von Landsmann Fernando Alonso abkochen, der ihn in Kurve 4 mutig überholte und sich so dann auf die Jagd nach Leclerc machen konnte. Für die beiden Spanier war es die Fortsetzung eines Zweikampfes vom Samstag, bei dem sich Alonso beschwert hatte, dass ihm Sainz die Tür zugemacht hatte - er forderte eine Strafe.

Alonso hatte später aber zugegeben, dass es beim Betrachten der Bilder im Nachhinein nicht so schlimm war, wie es für ihn erst aussah. "Wir haben während der Nationalhymne darüber gesprochen, alles ist gut", so der Aston-Martin-Pilot.

Das Duell am Sonntag war dafür weniger kontrovers: "Ich hatte einfach eine Menge Grip beim Neustart und hätte ihn wohl schon in Kurve 3 überholen können", sagt Alonso, "aber dann war es eben in Kurve 4." Für ihn war das wichtig, "denn einen Ferrari zu überholen, ist niemals einfach. Aber das Manöver hat mich in einen Zug mit Charles gebracht, und für mich war es danach einfacher."

Sainz sagt, dass er sich über das Manöver diesmal "nicht beschweren" kann. "Er hat das gestern gemacht, aber es ist Racing, und ich finde es fair." Dass er von Alonso am Sonntag dafür so überholt wurde, spielt für ihn keine Rolle: "Wenn ich sehe, wo Fernando im Ziel lag, dann wäre er ohnehin an mir vorbeigekommen", winkt der Ferrari-Pilot ab.

Sainz: "2022 hätte ich einen Fehler gemacht" - Er hatte ohnehin eher mit seinem Auto zu kämpfen und war beschäftigt damit, seinen fünften Platz nach Hause zu bringen. Vor allem Kurve 15 wurde dabei für ihn immer wieder zu einem Knackpunkt. "Es gab dort ein wenig Rückenwind, der uns von hinten angeschoben hat, und dadurch war es ziemlich einfach, außen an die Mauer zu kommen", sagt er.

"Und wenn du schon Probleme mit dem Selbstvertrauen hast wie ich heute, dann musst du zurückziehen, weil du es jeden Moment in die Mauer setzen und zehn Punkte in die Tonne werfen kannst", so Sainz.

Und das ist für ihn das Positive an dem Wochenende: "Im vergangenen Jahr hätte ich noch einen Fehler gemacht, denke ich, weil ich weniger Erfahrung mit so einem Wochenende hatte. Aber jetzt bin ich es ruhiger angegangen und habe sichergestellt, dass ich nicht die gleichen Fehler wie im vergangenen Jahr mache."

Dafür erhält das Spanier auch Lob von Teamchef Vasseur: "Ich bin mehr als zufrieden mit der Leistung von Carlos an diesem Wochenende, denn selbst in so einer Situation hat er Platz fünf geholt und eine ordentliche Pace gezeigt", so der Franzose.

"Wir wissen, dass man manchmal Aufs und Abs hat - wie in jedem anderen Sport", betont Vasseur. "Und verglichen mit Charles in Melbourne etwa hat er einen sehr guten Job gemacht." Denn Leclerc hatte seinen Ferrari damals in der ersten Runde gleich ins Kiesbett gesetzt.

Sainz hingegen konnte zumindest wertvolle Punkte mitnehmen: "Auch wenn das Wochenende für Carlos schwierig war, war er trotzdem vor Mercedes", lobt er.

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