China lehnt führende Rolle als Euro-Retter ab
Baku, den 2. Dezember (AZERTAG). Die europäischen Staats- und Regierungschefs haben sich bei der Euro-Rettung offenbar verkalkuliert. Anders als erhofft, lehnt China eine große finanzielle Stützung der Schuldenstaaten ab. Die Volksrepublik will ihre billionenschweren Devisenreserven lieber anders einsetzen.
Die Absage ist unmissverständlich - und ziemlich brüsk. Die Forderung, China sollte Europa retten, sei nicht ausgereift, sagte Chinas stellvertretende Außenministerin Fu Ying am Freitag. Oder anders ausgedrückt: Die Euro-Länder können im Kampf gegen die Schuldenkrise nicht damit rechnen, dass die Volksrepublik ihnen kräftig unter die Arme greift.
Die Europäer hätten vielleicht missverstanden, wie China mit seinen Reserven umgehe, sagte die Politikerin. Sie schloss zwar ausdrücklich nicht aus, dass ihr Land einen Teil der Reserven für gezieltere Maßnahmen einsetzen könnte. Fu machte aber klar, dass China keinen großen Anteil des eigenen Geldes einsetzen wird, um den Euro-Ländern zu helfen.
Damit zerschlägt sich für die europäischen Staats- und Regierungschefs zur Lösung ihrer Schuldenkrise eine ihrer größten Hoffnungen. Die Euro-Retter hatten vor allem darauf gehofft, dass sich die Volksrepublik am Rettungsschirm EFSF beteiligt, um seine Feuerkraft zu erhöhen. Zuletzt hatte Peking allerdings wiederholt klargemacht, dass die Europäer die Rolle Chinas nicht überschätzen sollten.
Bei einem Treffen mit Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz Mitte November in Peking machte Fu deutlich, Forderungen, das reiche China müsse Europa jetzt helfen, seien in dem Land gar nicht gut angekommen. Man stehe nicht dafür zur Verfügung, Ländern zu helfen, die über ihre Verhältnisse lebten. Die Vize-Außenministerin bei einem Gespräch im Sommer aber, auch China sei davon abhängig, dass Europa seine Krise überwinde. Wenn die Euro-Zone kollabiere, würden „alle leiden“.
Die Volksrepublik besitzt mit umgerechnet 2,35 Billionen Euro die weltweit größten Devisenreserven. China hält jedoch einen großen Teil seines Geldes in bargeldähnlichen Investitionen für heimische Notfälle vor. Ein weiterer großer Anteil ist langfristig in Anlagen investiert, deren schlagartiger Verkauf Panik an den internationalen Finanzmärkten auslösen würde. Der jährliche Spielraum beläuft sich Experten zufolge auf etwa 100 Milliarden Dollar.