Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

China stürzt die USA vom Wirtschaftsthron

Baku, den 6. Mai (AZERTAG). Seit Ende des 19. Jahrhunderts stehen die USA an der Spitze aller Volkswirtschaften. Doch dieses Jahr ändert sich das: China wächst unerwartet schnell. Damit kann es sich eine starke Armee leisten.

China wird die größte Wirtschaftsmacht der Welt, aber die einfachen Chinesen merken davon wenig. Und auch die Investoren trauen dem Braten nicht so recht.

Schon in diesem Jahr dürfte die Volksrepublik die USA als Nummer eins beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) ablösen. Das legen aktuelle Berechnungen der Weltbank nahe, die kürzlich veröffentlicht worden sind. Die Zahlen beziehen sich auf das sogenannte kaufkraftadjustierte BIP, das berücksichtigt, dass sich in China mit einem erwirtschafteten Dollar rechnerisch mehr kaufen lässt als in Amerika.

In nicht bereinigten Zahlen liegen die Vereinigten Staaten immer noch weit vorn. In den USA sollen dieses Jahr Waren und Dienste für 17,5 Billionen Dollar erwirtschaftet werden, in China für 10,6 Billionen. Zum Vergleich: Deutschlands BIP dürfte bei rund 3,7 Billionen liegen.

Wachwechsel in der Weltwirtschaft - Mit dem Aufstieg Chinas findet ein Wachwechsel in der Weltwirtschaft statt. Ende des 19. Jahrhunderts setzten sich die USA an der Spitze aller Volkswirtschaften. Damals löste die frühere Kolonie das Mutterland Großbritannien als Nummer eins ab und blieben dort bis heute unangefochten.

Deutschland war zu Beginn des Ersten Weltkriegs Deutschland die Nummer drei hinter den USA und dem britischen Empire. Heute steht die Bundesrepublik auf Platz vier der BIP-Weltrangliste hinter den USA, China und Japan, aber weit vor England und Frankreich.

Während der Stabwechsel von Großbritannien zu den USA relativ reibungslos verlief, gingen die ökonomischen Machtverschiebungen des 20. Jahrhunderts mit Krieg und geopolitischem Donnergrollen einher, und das nicht nur in Europa, sondern auch in Asien.

Hochrüstung im Fernen Osten - In unserer Zeit erlebt der Ferne Osten eine neue Phase der Hochrüstung und des Säbelrasselns, sogar wenn es nur um ein paar Felseninseln im Südchinesischen Meer geht. Chinas altem Konkurrenten Japan diagnostizieren Beobachter zunehmende Niedergangsängste.

Die Zäsur in der Weltgeschichte kommt für die meisten Experten überraschend. Sämtliche Schätzungen waren bislang davon ausgegangen, dass China erst in fünf Jahren den Spitzenplatz erobert. Die neuesten Berechnungen beruhen auf extrapolierten Werten der Weltbank von 2011, als Chinas kaufkraftbereinigtes BIP bei 13,5 Billionen Dollar lag, das der USA bei 15,5 Billionen.

Die Kaufkraft aller Volkswirtschaften zu ermitteln, ist ein extrem aufwendiges Verfahren, weshalb selbst die Weltbank dafür Jahre gebraucht hat. Dass Werte für 2013 oder gar 2014 vorliegen, wird bestenfalls 2018 der Fall sein.

Doch bereits die jetzt veröffentlichten Berechnungen für 2011 waren eine Sensation. Sie zeigen, dass die Chinesen den Amerikanern viel dichter auf den Fersen sind als gedacht. Um Währungseffekte bereinigt brachte es die chinesische Wirtschaft schon vor drei Jahren auf 87 Prozent des US-Niveaus. Ohne diese Bereinigung waren es 47 Prozent.

Kaufkraftbereinigtes BIP zeigt das wahre Potenzial - Das kaufkraftbereinigte BIP drückt das wahre Potenzial einer Ökonomie aus, weil sich die Wechselkurse langfristig der Kraft einer Volkswirtschaft annähern. Die kaufkraftadjustierten Zahlen gelten als aussagekräftiger als die üblichen Angaben, die die Währungsverzerrungen nicht berücksichtigen. So kostet der BigMac in China zum Beispiel 43 Prozent weniger als in Amerika, obwohl die Zutaten gleich sind.

Die ökonomische Weltkarte ändert sich dramatisch. Dabei zeigt der Vergleich mit einer anderen Großmacht, nämlich Russland, wie imposant der wirtschaftliche Aufstieg Chinas ist. Heute liegt der Anteil Russlands an der globalen Wertschöpfung mit knapp drei Prozent etwa auf dem gleichen Niveau wie Anfang der Neunzigerjahre.

Mit einer Produktion von 2,7 Billionen Dollar an Gütern und Dienstleistungen spielt die einstige Supermacht in einer Liga mit Indien und Brasilien. Auch infolge der Rubel-Schwäche rangiert Russland aktuell nur noch auf Platz zehn der Weltrangliste.

China knüpft an seine große Zeit an - China hingegen hat einen enormen Sprung gemacht: Im Jahr 1990 trug das Reich der Mitte in nicht kaufkraftadjustierter Berechnung lediglich 1,8 Prozent zur Weltwirtschaft bei, heute es sind es 14 Prozent. Kaufkraftbereinigt steht China heute bereits für ein Viertel des globalen Bruttoinlandsprodukts.

Das Reich der Mitte knüpft an seine große Zeit bis in die frühe Neuzeit an, als die chinesische Wirtschaft die größte und teilweise modernste der Welt war.

Anlegern hat dieser raketenhafte Aufstieg allerdings nicht viel gebracht. Die Börse in Shanghai liegt heute sechs Prozent niedriger als vor fünf Jahren, während sich die Kurse an Wall Street mehr als verdoppelt haben.

Reichtum ungleicher verteilt als in den USA - Auch im Reich der Mitte hat der Wohlstand längst nicht alle Bevölkerungskreise gleichermaßen erreicht. Nach dem neuen Gini-Index (einem Maß für die Verteilung von Einkommen und Wohlstand) ist die formal kommunistische Volksrepublik sogar ungleicher als als die erzkapitalistischen USA.

Dafür bringt kein anderes Land Jahr für Jahr so viele neue Millionäre hervor wie China. Kleinanleger im Reich der Mitte ziehen allzu oft den Kürzeren.

„Steigen sie jetzt nicht blind in China ein“, warnt denn auch Carl Weinberg, Ökonom bei dem angesehenen amerikanischen Analysehaus High Frequency Economics. „China mag in kaufkraftadjustierten Dollar die größte Ökonomie der Welt sein, aber beim Lebensstandard ist das Land weit von einer Supermacht entfernt.“

Weinberg weist darauf hin, dass im Reich der Mitte vier Mal mehr Menschen als in den USA leben. Allein 300 Millionen Chinesen müssen pro Tag mit weniger als 1,25 Dollar auskommen: „Gemessen am Pro-Kopf-Einkommen ist China weiterhin ein Schwellenland.“

Das spiegelt sich auch in der Rangliste der 177 von der Weltbank beobachteten Nationen. Hier rangiert das Reich der Mitte gerade mal auf Platz 99.

Die neue Weltordnung steht fest - Auch wenn das Pro-Kopf-Einkommen der durchschnittlichen Chinesen deutlich hinter dem der USA hinterherhinkt, macht die absolute Größe seiner Wirtschaft China zur neuen Supermacht. „Das Nationaleinkommen ist groß genug, damit Peking über ebenso viel Soldaten, Flugzeugträger und Drohnen gebieten kann wie Washington.“

Und er fügt hinzu: Willkommen in der neuen Weltordnung.

 

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