Chinas Banken greifen nach dem Billionen-Schatz
Baku, den 15. Dezember (AZERTAG). Der chinesische Staatsfonds verwaltet die größten Devisenreserven der Welt. Nun wollen auch die Banken des Landes Zugriff auf das Geld. Zugleich plädieren die Institute für eine neue Anlagestrategie: Raus aus europäischen Staatsanleihen, lautet der neue Kurs.
Chinas Banken sollen künftig einen Teil der gewaltigen Devisenreserven des Landes managen. Das schlägt der einflussreiche Chef des größten Kreditinstituts Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), Jiang Jianqing, vor. „Wir brauchen eine neue Denkart im Umgang mit unseren Devisenreserven“, sagte Jiang am Donnerstag bei einem Wirtschaftsforum in Peking.
Weil China weltweit am meisten Waren exportiert und vergleichsweise wenig importiert, hat das Land in den vergangenen Jahren gigantische Devisenreserven von zuletzt 3,2 Billionen Dollar angehäuft. Der Großteil davon wird vom Staatsfonds CIC gemanagt. Die großen Finanzinstitute des Landes wollen nun an der Verwaltung der Reserven beteiligt werden. „Wir sind erfahren im Projektmanagement“, sagte Bankchef Jiang. „Und wir sind nahe an den Kunden und am Markt.“
Mit dem Vorstoß verbunden ist auch der Wunsch nach einer neuen Anlagestrategie. Immer wieder gab es zuletzt Kritik daran, dass China seine Reserven vor allem in europäische und amerikanische Staatsanleihen investiert hat. Spitzenbanker Jiang fordert nun ein Umdenken: „Die europäische Schuldenkrise entfaltet sich noch immer“, sagte er. „Es ist schwierig, die Reserven weiter so zu managen wie bisher. Das birgt Gefahren.“
Die chinesische Führung hat bereits angedeutet, künftig stärker in europäische und amerikanische Unternehmen sowie in Infrastruktur zu investieren. Die Zentralbank will dazu zwei Fonds im Gesamtvolumen von 300 Milliarden Dollar gründen. Sie sollen unter dem Dach eines neuen Investmentvehikels verwaltet werden, das bereits lange vor Beginn der Euro-Krise in Planung war.
Auch China bekommt die Folgen der Schuldenkrise zu spüren. Im Dezember stieg der von der Großbank HSBC ermittelte Einkaufsmanagerindex für die Industrie zwar auf 49 Zähler von 47,7 im November. Er blieb aber unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. „Die Wachstumsimpulse bleiben schwach, zudem gibt es Abwärtsrisiken von den Exporten“, sagte China-Chefökonom Qu Hongbin von HSBC.
Vor allem im Inland gingen die Aufträge der Industrie deutlich zurück. Auch das Umfeld für das Exportgeschäft bleibe schwierig, sagte ein Sprecher des Handelsministeriums. Ein Grund dafür sei die Unsicherheit in Europa. In den ersten drei Quartalen hatte Chinas Wachstum stetig an Tempo verloren. Einige Ökonomen gehen davon aus, dass Chinas Wachstum 2012 unter neun Prozent fallen könnte - zum ersten Mal seit 2001.