Chinas KP spielt Revolutionstheater
Baku, den 1. Juli (AZERTAG).Die größte politische Organisation der Welt feiert sich selbst: Chinas Kommunistische Partei bejubelt ihr 90-jähriges Bestehen - mit viel Pomp und altbekannten Parolen. Doch hinter den Kulissen regt sich Kritik.
„Der Osten ist rot“, singen sie oder „Ohne die Kommunistische Partei gibt es kein neues China“: Eine Bewegung hat in diesen Tagen das Reich der Mitte erfasst, die in die Vergangenheit geht, zurück zu den Zeiten Mao Zedongs. Rote Lieder, rote Filme, rotes Theater - und roter Tourismus: KP-Mitglieder reisen zu den Stätten der Revolution und schwören mit erhobener Faust der Partei erneut die Treue. Selbst Mönche und Nonnen würden mitsingen, meldete am Donnerstag der Onlinedienst des KP-Organs „Volkszeitung“.
Und im großen Stadion der Yangtse-Metropole Chongqing, deren Parteichef Bo Xilai vor zwei Jahren begann, mit den „roten Gesängen“ auf sich aufmerksam zu machen, versammelten sich 100.000 Menschen, um einen Wettbewerb der roten Lieder zu hören. Im Publikum saß der frühere US-Außenminister Henry Kissinger. „Jedes Mal, wenn ich diese Lieder singe, erinnere ich mich an die alten Zeiten“, sagt Wei Anliu, ein Arbeitsloser in Changsha, der Provinzhauptstadt von Hunan.
Anlass für den Blick zurück ist der 90. Geburtstag der KP, den die Partei am 1. Juli mit viel Schwung als Revolutionstheaterstück feiert. Denn nach den Olympischen Spielen in Peking und der Expo in Shanghai brauchten die Pekinger Politiker wieder eine große Kampagne, mit der sie das ganze Land überziehen konnten. Sie fand sie bei sich selbst: Am Freitag feierte sie in der Großen Halle des Volkes neben dem Tiananmen-Platz ein großes Fest.
Staats- und Parteichef Hu Jintao hielt eine Grundsatzrede, die landesweit im Fernsehen übertragen wurde. China werde weiter „die sozialistische Demokratie unter der Führung der Kommunistischen Partei“ entwickeln, sagte Hu vor Tausenden Parteifunktionären. Die Partei müsse in einer Zeit großer globaler Umwälzungen den Sozialismus mit chinesischen Merkmalen fortentwickeln und sich für Talente öffnen. Er schloss aber jede Entwicklung eines Mehrparteiensystems aus. China werde weiter „die sozialistische Demokratie unter der Führung der Kommunistischen Partei“ entwickeln. Die Anpassungsfähigkeit der KP habe China wohlhabend und mächtig gemacht. Allerdings, so hat es die Website plagiarisma.net analysiert, waren das meist altbekannte Parolen: Demnach bestand die Ansprache - nach einer Untersuchung eines 800 Worte langen Redeteils - zu 97 Prozent aus einer Wiederholung älterer Texte.