Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Das Massaker von Sacred Ridge

Das Massaker von Sacred Ridge

Baku, den 7. Juli (AZERTAG). Es ist die größte Ansammlung von verstümmelten Knochen, die jemals im Südwesten der USA gefunden wurde. Die menschlichen Überreste geben Aufschluss über die letzten Monate in einer Siedlung amerikanischer Ureinwohner und offenbaren grausame Einzelheiten.

Manchmal muss man als Archäologe starke Nerven haben. Oder ohne besondere Fantasie geboren sein. Sonst wird es für den Verstand schwierig, manche Eindrücke zu verarbeiten. Wie zum Beispiel einen Fund in zwei der Grubenhäuser in Sacred Ridge, nahe der Stadt Durango im Südwesten des US-Bundesstaates Colorado. Der Boden der Häuser war gefüllt mit fast 15.000 Bruchstücken von menschlichen Knochen. Zwischen den zu kleinen Fragmenten zertrümmerten Schädeln, Rippen, Arm- und Beinknochen lagen Keramikgefäße und Steinwerkzeuge. An ihnen klebten noch menschliches Blut und Gewebereste.

Mindestens 33 Männer, Frauen und Kinder wurden in Sacred Ridge gefoltert, geschlachtet, verbrannt und nach ihrem Tod zerstückelt. „Es war schwierig, die Knochen der Kinder anzuschauen, denen beispielsweise die Zähne ausgeschlagen worden waren“, berichtet Anna Osterholtz von der University of Nevada in Las Vegas. Erste Ergebnisse ihrer Arbeit veröffentlichte sie in der Zeitschrift „Kiva“.

Zertrümmerte Füße als Warnung - Demnach war kein Körperteil der Toten verschont geblieben, „vom Scheitel bis zu den Zehenspitzen“, schreibt Osterholtz. Zunächst aber konzentrierte sie sich nur auf einen Körperteil: die Füße. 190 der insgesamt 14.882 Knochenfragmente konnte sie als Fußknochen identifizieren, 49 dieser Teile ließen sich mit mindestens einem weiteren zusammenfügen.

An allen dieser zusammengefügten Stücke konnte Osterholtz Gewaltanwendung nachweisen. Schwere Schläge auf die Knöchel zertrümmerten die Knochen von der Seite. Die Fußoberseiten waren regelrecht zermalmt worden. Besonders deutlich aber wurde das Ausmaß der Gewalt auf den Fußsohlen. Die waren bei einigen der Toten so extensiv geschlagen worden, dass sich sogar die äußeren Schichten der Knochen abgeschält hatten.

Die Praktiken bewirkten, dass die Opfer nicht mehr stehen, geschweige denn gehen konnten - und verursachten unvorstellbare Schmerzen. Das, meint Osterholtz, war ihr Zweck. Die Opfer wurden ausgesucht, um für die Bewohner von Sacred Ridge ein Exempel zu statuieren. Wer sich nicht so verhielt, wie die machtausübende Gruppe es verlangte, hatte mit entsprechend schweren Konsequenzen zu rechnen: „Die Zerstörung der Füße und die Folter dienten dazu, die Bewohner zu kontrollieren.“

Das Ende von Sacred Ridge - Zu den Knochenfunden von Sacred Ridge gab es bereits verschiedene Interpretationen. Aufgrund der Schnittspuren an vielen Knochen und der Reste von Blut und Gewebe in den Keramikgefäßen haben einige Forscher vermutet, die Toten wären einem kannibalistischen Ritual zum Opfer gefallen. Doch 33 Individuen, die nachweislich alle zum selben Zeitpunkt starben, sind zu viele für ein rituelles Menschenfleisch-Mahl. Andere vermuteten eine Hexenjagd - eine Theorie, mit der bereits andere Fälle von menschlichen Schlachtungen in der Pueblo-Kultur des amerikanischen Südwestens zu erklären versucht wurden. Doch die hohe Anzahl der Opfer und das Ausmaß der Verletzungen und Verstümmelungen sprechen auch gegen diese Interpretation.

Die beiden Anthropologen James Potter und Jason Chuipka haben die Strontiumisotope im Zahnschmelz der Toten untersucht. So konnten sie die Herkunft der Opfer bestimmen. Alle waren sie in der unmittelbaren Umgebung von Sacred Ridge aufgewachsen. Es waren also auch keine Kriegsgefangenen, die hier zu Tode gefoltert wurden. Es waren Einheimische. Vielleicht, vermutet Osterholtz, waren die Täter eine Gruppe von außerhalb, die in der Siedlung einfiel - und die Einwohner dann mit der demonstrativen Folter gefügig machte.

Auch die Hände der Opfer geben Fragen auf: „Es gab so gut wie keine Handknochen unter den Funden“, berichtet Osterholtz. Von den mindestens 33 Toten fanden die Ausgräber nur einen einzigen Mittelhandknochen. „Diese Skelettteile waren einfach nicht da.“ Vielleicht, vermutet Osterholtz, behielten die Verantwortlichen für das Massaker die Hände der Opfer als Trophäen ein. „Oder die Hände wurden an anderer Stelle begraben.“

Was auch immer geschah - Sacred Ridge ist kein Einzelfall. Aus dem Südwesten der USA sind weitere Funde von Ansammlungen völlig zerstörter Knochen bekannt. Doch niemals waren es so viele Menschen, deren Knochen am Ende zusammengewürfelt durcheinanderlagen. Und es gibt noch eine weitere Besonderheit: „Interessant ist, dass die Knochenansammlung von Sacred Ridge rund 200 Jahre älter ist als alle anderen, die wir kennen“, schreibt Osterholtz. Das Massaker fand um das Jahr 810 statt. Kurz darauf wurde die Siedlung für immer aufgegeben.

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