Die stärkste Meeresströmung der Erde wird schwächer – warum das ein Problem ist
Baku, 4. März, AZERTAC
Nachrichten zum Thema Klima sind selten gute – und diese ist keine Ausnahme, leider: Der Antarktische Zirkumpolarstrom (ACC), die stärkste Meeresströmung der Welt, wird immer langsamer. Grund dafür sind schmelzende Eisschichten, haben Forschende herausgefunden.
Der ACC ist eines von mehreren komplexen Systemen, die das Wasser in unseren Ozeanen bewegen. Er umfließt die Antarktis in west-östlicher Richtung in einem nahezu geschlossenen Kreis und trennt das kalte, nährstoffreiche Wasser der Antarktis von wärmeren Strömungen weiter nördlich. Pro Sekunde wälzt der ACC gut 100 Millionen Kubikmeter Wasser, viermal mehr als der bekanntere Golfstrom.
Das Problem: Die aktuelle Geschwindigkeit des ACC dürfte sich bei weiter hohen CO₂-Emissionen bis 2050 um rund 20 Prozent verlangsamen, schreiben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von der Universität Melbourne und dem norwegischen Forschungszentrum NORCE in der Zeitschrift Environmental Research Letters . „Der Ozean ist äußerst komplex und in einem empfindlichen Gleichgewicht. Wenn dieser derzeitige ›Motor‹ ausfällt, könnte dies schwerwiegende Folgen haben“, sagt Studienautor Bishakhdatta Gayen.
Die Erde wird wärmer, der ACC langsamer, die Erde noch wärmer - Aber warum wird der ACC überhaupt langsamer? Weil unsere Erde aufgrund des Treibhauseffekts immer wärmer wird. Dadurch schmilzt unter anderem das Eis der Antarktis und so strömt immer mehr Süßwasser ins Meer. Das verändert die Eigenschaften des Ozeans und seine Zirkulationsmuster, wie AZERTAC unter Berufung auf Spiegel berichtete.
Der ACC fungiert nämlich eigentlich unter anderem als Barriere gegen invasive Arten, die dadurch nicht von anderen Kontinenten in die Antarktis gelangen, wie etwa auf den Strömungen treibende Schwärme von oder Meerestiere wie Garnelen und Weichtiere.
Mit der Verlangsamung und Schwächung des ACC steigt die Wahrscheinlichkeit, dass solche Arten doch auf dem fragilen antarktischen Kontinent landen. Das könnte gravierende Auswirkungen unter anderem auf das dortige Nahrungsnetz haben, zum Beispiel auf die Ernährung der antarktischen Pinguine.
Das ist aber nur ein Beispiel von vielen. Insgesamt droht uns „eine stärkere Klimavariabilität mit größeren Extremen in bestimmten Regionen und eine beschleunigte globale Erwärmung aufgrund einer Verringerung der Fähigkeit des Ozeans, als Kohlenstoffsenke zu fungieren“, warnt Gayen. Bedeutet also: Die Erderwärmung macht den ACC langsamer, wodurch sich die Erde noch schneller erwärmt. Ein Teufelskreis.