Doppelschlag soll HIV überlisten
Baku, den 24. Juli (AZERTAG). Immer noch sterben jährlich etwa 1,5 Millionen Menschen an Aids. Doch eine Impfung zu entwickeln, die sicher vor allen Varianten des HI-Virus schützt, scheint unmöglich. Forscher wollen dennoch nicht aufgeben - sie setzen auf eine Kombinationsstrategie.
Im Kampf gegen das HI-Virus hat sich die Welt viel vorgenommen. Keine Aidstoten mehr, keine Neuinfektionen und nie mehr Diskriminierung von infizierten Menschen. Doch das Ziel scheint weit entfernt: Was vor allem fehlt, ist eine Impfung. Die Suche danach lässt die Forscher verzweifeln.
Das Hauptprobleme ist, dass das Virus ständig die Erkennungsmerkmale auf seiner Oberfläche verändert. Inzwischen gibt es zahlreiche Untergruppen der Erreger, die an unterschiedlichen Orten der Welt in Kombinationen vorkommen. Selbst wenn es gelingt, das Immunsystem gegen einen HI-Virustyp zu impfen, könnte eine andere Untergruppe in den Körper vordringen und das Immunsystem schwächen.
Dass eine einzige Impfung das Immunsystem jemals auf alle Virustypen wird vorbereiten können, scheint unmöglich. Deshalb haben Forscher die Suche nach einem komplett zuverlässigen Impfstoff vorerst aufgegeben. „Davon, dass wir in absehbarer Zeit eine Impfung entwickeln, die vollkommen schützt, kann man derzeit nicht ausgehen“, sagt Oliver Keppler, der ab Oktober das nationale Referenzzentrum für Diagnostik und Beratung zu HIV in Frankfurt leiten wird. Forscher suchen stattdessen nach einem Impfstoff, der die Zahl der Viren in infizierten Menschen verringert - die Patienten bleiben dann länger gesund. Auch senkt eine geringe Viruslast das Risiko, den Erreger zu übertragen.
Im Kampf gegen das Virus kombinieren Forscher jetzt zwei Impfstoffe-Die Viruslast durch eine Impfung zu reduzieren, war auch das Ziel der derzeit größten klinischen HIV-Impfstoffstudie HVTN 505. Vor drei Jahren begannen Forscher um Scott Hammer von der Columbia Universität in New York eine Kombinationsimpfung aus zwei unterschiedlichen Impfstoffen zu testen - eine sogenannte „Prime-and-boost“-Strategie. Die Studienteilnehmer bekommen zunächst einen DNA-Impfstoff gespritzt, der das Immunsystem in Gang bringt (Primer). Der zweite Impfstoff soll die Wirkung der ersten Impfung verstärken und gezielt T-Zellen und Antikörper aktivieren, die auf das Virus spezialisiert sind und ihn auf Dauer in Schach halten (boost).
DNA-Impfstoffe - der ersten Teil der Impfung - bestehen aus DNA-Ringen, die gentechnisch verändert sind und in Körperzellen eingeschleust werden. Eine Kettenreaktion beginnt: Die veränderten Zellen stellen Proteine her, die auch das HI-Virus auf seiner Hülle tragen. Dadurch alarmieren sie das Immunsystem, dieses beginnt, Antikörper gegen die Hüllenproteine des HI-Virus zu erzeugen. Die Antikörper wiederum wappnen das Immunsystem gegen eine Infektion. DNA-Impfstoffe haben den Vorteil, dass sie eine breite Immunantwort hervorrufen.