Ein großes Gesundheitsrisiko
Baku, den 24. Juni (AZERTAG). Normalerweise repariert der Körper kleine Verletzungen ganz von selbst. Bei chronischen Stoffwechsel- und Durchblutungsstörungen kann die körpereigene Wundheilung jedoch versagen. Das ist gefährlich.
Einmal falsch geblättert, einmal in etwas hineingetreten oder einmal unachtsam Gemüse geschnippelt - und schon hat man sich verletzt. Kleine Wunden gehören zum Alltag mit dazu.
Das ist meistens kein Problem, denn der gesunde Körper beseitigt solche Schäden zuverlässig ganz von selbst. Eine regelrechte Wundheilung sorgt dafür, dass uns ein kleiner Kratzer nicht gleich aus der Bahn wirft.
Was einfach aussieht, ist aber tatsächlich ein hochkomplexer Prozess. Die Wundheilung verläuft in vier Phasen, die sich allerdings gegenseitig überlappen können.
Abschluss gegen Keime - Sie beginnt mit der sogenannten exsudativen Phase, bei der die Verletzung zunächst einmal nach außen abgeschlossen wird. Der Wundspalt füllt sich dabei mit Blut, das anschließend gerinnt. Innerhalb von Minuten bis Stunden bildet sich so ein Schorf, der das weitere Eindringen von Krankheitskeimen verhindert.
Der Schorf ist allerdings nur eine Kurzzeit-Lösung. Schon nach etwa einem Tag beginnt er wieder zu verschwinden. Fresszellen wandern dann in die Wunde ein, um den Trümmerhaufen zu beseitigen.
In der resorptiven Phase werden tote Zellen und Blutkoagel abgebaut, um Platz für neues Gewebe zu schaffen. Nach den Aufräumarbeiten entsteht hier dann neues Bindegewebe, Hautzellen wachsen nach und Gefäße sprossen ein. Entsprechend wird dieser Abschnitt der Wundheilung als „Proliferationsphase“ bezeichnet.
Koordiniert wird der Neuaufbau von adulten Stammzellen. Diese potenten Helfer befinden sich natürlicherweise in all jenen Geweben, die sich häufig erneuern - wie zum Beispiel in Leber, Darm und Haut.
Vorläufergewebe - Abgeschlossen ist die Wundheilung mit der Proliferationsphase aber noch lange nicht. Denn das dabei entstandene Granulationsgewebe ist nur ein Vorläufermodell. Auch wenn dieses die Wunde bereits vollständig ausfüllt, so fehlt ihm noch die entscheidende Bedeckung.
Sie wird in der reparativen Phase gebildet. Hautzellen wandern nach etwa einer Woche vom Wundrand in das Granulationsgewebe ein. Nach und nach verschließen sie die einstige Verletzung: Die Wunde schrumpft.
Bleibende Wunden - Was aber, wenn die Wunde nicht von alleine kleiner wird - oder gar weiter wächst? Ursachen für eine gestörte Wundheilung gibt es viele, aber eine ist besonders häufig: „80 Prozent aller chronischen Wunden entstehen infolge von Gefäßerkrankungen“, sagt Brigitte Nink-Grebe, Geschäftsführerin von der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung in Gießen.
Denn wenn der Abtransport von Zellresten und der Antransport von Faktoren der Regeneration gestört ist, kann auch die Verletzung nicht selbstständig abheilen. Dann muss von außen nachgeholfen werden.
Insbesondere Diabetes-Patienten wissen, wie mühselig eine solche Wundbehandlung sein kann. Denn wer unter dieser Stoffwechselstörung leidet, ist gleich mehrfach für nur schwer heilende Wunden gefährdet. Diabetes schadet meist nicht nur den Gefäßen, sondern auch den Nerven.
„Durch die Nervenschädigungen ist das Schmerzempfinden der Patienten herabgesetzt. Druckstellen, Verletzungen und Entzündungszeichen werden dadurch oft erst spät wahrgenommen“, sagt Nink-Grebe. Die Expertin empfiehlt deshalb eine regelmäßige Kontrolle durch den behandelnden Arzt, Angehörige und den Patienten selbst. Kleine Verletzungen werden so frühzeitig entdeckt, noch bevor sie problematisch werden.
Infektion mit Risiko - Zusätzliche Probleme können beispielsweise entstehen, wenn zu der Heilungsstörung eine Entzündung kommt. Chronische Wunden sind nämlich eine gefährliche Eintrittspforte für Krankheitserreger. Im verletzten Gewebe können sie sich oft ungehindert ausbreiten. Die Wundheilung wird so zusätzlich behindert.
Bekommt man die Wunde dann gar nicht mehr in den Griff, kann sogar eine Amputation notwendig werden - um eine lebensbedrohliche, systemische Ausbreitung der Infektion in Form einer sogenannten Sepsis zu verhindern.
Tatsächlich sind Amputationen bei Diabetes keine Seltenheit. Laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Berlin erfolgen bundesweit jährlich 40.000 Amputationen infolge dieser Stoffwechselstörung.