Euronews: Aserbaidschan investiert seit Jahren massiv in Stadterneuerung und Infrastrukturprojekte
Baku, 17. Mai, AZERTAC
Euronews schreibt wieder über die 13. Sitzung des Weltstädteforums, unter dem Titel "UN sucht Lösungen gegen globale Wohnungsnot".
AZERTAC präsentiert den Artikel: Mehr als 40 000 Teilnehmer werden sich in Baku zum Weltstädteforum der Vereinten Nationen versammeln, während UN-Habitat davor warnt, dass drei Milliarden Menschen keinen angemessenen Wohnraum haben und sich die Zahl der Slums bis 2050 verdreifachen könnte.
Mindestens drei Milliarden Menschen weltweit haben nach Angaben von UN-Habitat keinen angemessenen Wohnraum. Mehr als eine Milliarde Menschen lebt demnach in Slums oder informellen Siedlungen. Die UN-Organisation warnt deshalb vor einer "globalen Wohnkrise" und fordert entschlossenes politisches Handeln.
Besonders betroffen seien Regionen in Asien und Afrika. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen könnte die Zahl der Menschen, die in Slums leben, bis zum Jahr 2050 auf bis zu drei Milliarden steigen - also auf das Dreifache anwachsen.
Vor diesem Hintergrund werden zur 13. Ausgabe des Weltstädteforums (WUF13) mehr als 40.000 Teilnehmer aus 182 Ländern in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku erwartet. Die Konferenz gilt als wichtigste globale UN-Plattform für nachhaltige Urbanisierung und findet vom 17. bis 22. Mai statt.
Das alle zwei Jahre von UN-Habitat organisierte Forum zählt inzwischen zu den bedeutendsten internationalen Veranstaltungen rund um Stadtentwicklung, Wohnungsbau und urbane Widerstandsfähigkeit. Das diesjährige Motto lautet: "Housing the World: Safe and Resilient Cities and Communities".
Anna Soave, Leiterin des UN-Habitat-Länderbüros in Aserbaidschan, erklärte, die Wohnungsfrage werde zunehmend als zentral für die Zukunft der Städte, die Klimaresilienz, den wirtschaftlichen Wohlstand und die Lebensqualität verstanden.
Das Forum solle Regierungen, Bürgermeister, Stadtplaner, Wissenschaftler, Unternehmen und zivilgesellschaftliche Gruppen zusammenbringen, um konkrete Lösungen für sichere, widerstandsfähige und inklusive Städte zu diskutieren.
Wohnungsnot wird zum globalen Problem - Seit 2009 lebt weltweit erstmals mehr als die Hälfte der Menschen in Städten. Dadurch geraten urbane Räume zunehmend unter Druck - etwa durch Bevölkerungswachstum, Migration, steigende Lebenshaltungskosten und die Folgen des Klimawandels.
Nach Schätzungen von UN-Habitat gibt inzwischen jeder fünfte Haushalt weltweit mehr als 40 Prozent seines Einkommens für Wohnen aus. Gleichzeitig hätten sich die Wohnkosten seit 2010 vervierfacht.
Weltweit gelten zudem mehr als 300 Millionen Menschen als obdachlos. Weitere mehr als 100 Millionen Menschen wurden durch Konflikte, politische Instabilität oder klimabedingte Krisen vertrieben.
Auch die COVID-19-Pandemie habe die Probleme verschärft und deutlich gemacht, wie eng Wohnraum, öffentliche Gesundheit und wirtschaftliche Stabilität miteinander verbunden seien.
Die Vereinten Nationen haben deshalb das Thema Stadtentwicklung fest in ihren Nachhaltigkeitszielen verankert. Das UN-Nachhaltigkeitsziel SDG 11 soll Städte inklusiver, sicherer, widerstandsfähiger und nachhaltiger machen.
Warum das Forum in Baku stattfindet - Aserbaidschan investiert seit Jahren massiv in Stadterneuerung und Infrastrukturprojekte. Mit der Ausrichtung des WUF13 will sich das Land stärker in internationale Debatten über Wiederaufbau, nachhaltige Stadtentwicklung und Wohnungsbau einbringen.
Der Städtebau-Experte Thomas Kovári vom Schweizer Architektur- und Stadtplanungsunternehmen SA partners bezeichnete Baku als "passenden Gastgeber" für das Forum.
Die Stadt stehe beispielhaft für viele Herausforderungen moderner Urbanisierung - etwa die Balance zwischen schneller Modernisierung und dem Erhalt kulturellen Erbes.
Besonders hob Kovári die Wiederaufbauprojekte in der Region Karabach hervor. Dort entwickle Aserbaidschan nach eigenen Angaben Konzepte für nachhaltigen Wiederaufbau, bezahlbaren Wohnraum und sogenannte Smart Cities.
Auch Adil Mammadov, Geschäftsführer der WUF13 Azerbaijan Operations Company, erklärte, die Konferenz unterstreiche die wachsende Rolle Aserbaidschans als Austragungsort internationaler Großveranstaltungen.
Fokus auf konkrete Lösungen - Im Mittelpunkt des diesjährigen Forums sollen praktische Lösungsansätze stehen - darunter sozialer Wohnungsbau, Landrechte, Finanzierungskonzepte und die Aufwertung informeller Siedlungen.
Nach Angaben von UN-Habitat konnten zwischen 2020 und 2025 bereits mehr als 41 Millionen Menschen durch entsprechende Programme aus slumähnlichen Verhältnissen herausgeführt werden. Millionen weitere Menschen hätten Zugang zu sauberem Wasser, sicheren öffentlichen Räumen und gesicherten Eigentumsrechten erhalten.
Die Organisation setzt dabei auf einen "zweigleisigen Ansatz": bestehende informelle Siedlungen verbessern und gleichzeitig deutlich mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen.
Weitere Themen des Forums sind Klimaresilienz, Hochwasserschutz, digitale Stadtplanung, öffentlicher Nahverkehr sowie neue Finanzierungsmodelle für einkommensschwache Haushalte.
Das Weltstädteforum wurde 2001 von der UN-Generalversammlung gemeinsam mit der Gründung von UN-Habitat ins Leben gerufen. Die erste Ausgabe fand 2002 in Nairobi statt.
Inzwischen zählen Städte wie Barcelona, Vancouver, Rio de Janeiro, Abu Dhabi, Kattowitz und Kairo zu den bisherigen Gastgebern.
Die diesjährige Ausgabe in Baku dürfte nach Einschätzung von Beobachtern die bislang größte Veranstaltung dieser Art werden.