Fledermäusen mehr Erreger stecken als in Ratten
Baku, den 6. Februar (AZERTAG). Sie leben eng zusammen und vermehren sich schnell. Das führt dazu, dass in Fledermäusen mehr Erreger stecken als in Ratten. Es erklärt aber nicht endgültig, warum sie solche Virenschleudern sind.
Fledermäuse bilden ein enormes Reservoir für verschiedenste Viren, die auch Menschen infizieren können. Die Tiere beherbergen pro Art weit mehr solche Erreger als Nagetiere, zu denen etwa Ratten oder Mäuse zählen.
Das berichten Biologen um Angela Luis von der US-amerikanischen Colorado State University in Fort Collins in den "Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences". Offenbar bieten Fledermäuse vielen Viren ideale Bedingungen.
Sehr viele Infektionskrankheiten beim Menschen stammen ursprünglich aus dem Tierreich. Seit Jahren geraten Fledermäuse zunehmend ins Blickfeld von Forschern. Die geflügelten Säugetiere, von denen bislang rund 1200 Arten bekannt sind, sind für viele Ökosysteme wichtig, weil sie Insekten vertilgen, Samenkörner verteilen und Pflanzen bestäuben.
Aber gerade in Afrika und Asien beherbergen die Tiere auch etliche gefährliche Viren, darunter etwa das Ebola- und das Marburg-Virus oder Erreger des Schweren Akuten Respiratorischen Syndroms (Sars). Erst kürzlich hatte eine Studie ergeben, dass Fledermäuse eine besonders große Rolle bei der Übertragung von Paramyxoviren an andere Säugetiere spielen. Zu den Paramyxoviren zählen etwa die Erreger von Tollwut oder Mumps.
Um die Bedeutung von Fledermäusen als Virenreservoir zu klären, verglichen die Biologen sie in einer Datenbankrecherche mit Nagetieren, die ebenfalls eine Fülle von Erregern beherbergen. Demnach waren für Nagetiere 68 auf den Menschen übertragbare Viren aufgeführt, für Fledermäuse nur 61.
Allerdings gibt es etwa doppelt so viele Arten von Nagetieren wie von Fledermäusen. Im rechnerischen Mittel trugen Fledermaus-Arten 4,5 Viren, im Vergleich zu 2,8 Erregern pro Nagetier-Spezies.
Die ermittelten Einflussfaktoren erklären den Forschern zufolge aber bislang nur zu 43 Prozent, warum Fledermäuse so viele Viren beherbergen. Der Großteil der Gründe sei noch nicht bekannt, betonen sie.
Die möglichen Ursachen für den Virenreichtum seien in der Studie "sehr schön aufgearbeitet", sagt der Experte. Er betont jedoch, dass die Virenvielfalt von Fledermäusen vor allem auf Arten in Afrika und Asien zurückgeht.