Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Forscher entwickeln Test, der verschiedene Krebsarten in frühem Stadium entdecken soll

Forscher entwickeln Test, der verschiedene Krebsarten in frühem Stadium entdecken soll

Baku, 7. Dezember, AZERTAC

Hunderttausende Menschen erkranken allein in Deutschland jedes Jahr neu an Krebs. Je früher eine solche Erkrankung entdeckt wird, desto besser sind meist die Heilungschancen. Ein internationales Forscherteam berichtet nun im Fachblatt “Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (“PNAS“) über eine Methode zur Früherkennung von 14 verschiedenen Krebsarten.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten im Rahmen einer Studie Blut- und Urinproben von rund 1260 gesunden sowie krebskranken Menschen. Die Forschenden fokussierten sich dabei auf sogenannte Glykosaminoglykane (GAGs). Das sind Zuckerverbindungen, deren Struktur in Krebszellen anders ist als in gesunden Zellen.

Der Test ist vergleichsweise günstig - Auf Grundlage der Analyse entwickelten die Fachleute einen Test, um anhand der speziellen Muster der Glykosaminoglykane 14 bestimmte Krebsarten in einem frühen Stadium zu entdecken, darunter waren etwa Blasenkrebs, Brustkrebs und Prostatakrebs. Der Test ist eine sogenannte Flüssigbiopsie. Dabei wird in Körperflüssigkeiten wie Blut, Urin oder Speichel nach Botenstoffen oder Tumorzellen gesucht, um so eine Krebserkrankung zu entdecken oder genauer zu charakterisieren.

Ziel der Forschenden war es, bei gesunden Menschen höchstens fünf Prozent falsch positive Testergebnisse zu erhalten, die Spezifität des Tests sollte also bei 95 Prozent liegen. Den Autorinnen und Autoren zufolge erkannte der Bluttest dann in 41,6 Prozent der Fälle Krebs im Stadium eins zuverlässig, bei einer Urinprobe lag diese sogenannte Sensitivität bei 62,3 Prozent. Das heißt: Bei gut sechs von zehn Krebskranken wurde die Erkrankung nach einem Urintest korrekt erkannt, bei vieren war der Test jedoch falsch negativ. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wandten ihren Test außerdem noch bei Proben aus einer niederländischen Blutbank und in einem Mausmodell an.

Die Analyse von GAGs könnte künftig einen einfachen und kostengünstigen Test bieten, der sich auch für Massenuntersuchungen eigne, schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrer Veröffentlichung. Zwei der Studienautoren haben ein Unternehmen gegründet, das auf die Entwicklung von Tests zur Krebsfrüherkennung spezialisiert ist.

Die Autorinnen und Autoren gehen von einem Preis von etwa 50 US-Dollar pro Test aus. Der Test sei damit deutlich günstiger als andere Verfahren, bei denen etwa im Blut schwimmende DNA-Schnipsel des Tumors, sogenannte Circulating Free DNA (cfDNA), gesucht werden, sagt Almut Schulze, Leiterin der Abteilung Tumor-Metabolismus und Microenvironment am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). “Diese cfDNAs sind zudem auch nicht ganz optimal, denn bestimmte Krebsarten setzen keine DNA frei. Und mitunter kann auch Normalgewebe solche DNA-Fragmente ins Blut abgeben.“

Allerdings hat auch der nun entwickelte Test seine Einschränkungen. So dürften laut Schulze bestimmte Erkrankungen die Aussagekraft verfälschen. Außerdem ließen sich die Ergebnisse der untersuchten Gruppe nicht eins zu eins auf andere Bevölkerungen übertragen. “Die Menschen in den USA sind womöglich generell kränker als die Niederländer, wodurch es in den USA zu mehr falsch positiven Ergebnissen kommen könnte“, sagt sie. “Dennoch, wenn sich der Test auch mit Real-World-Daten mit verschiedenen Populationen bewährt, könnte er früher oder später in die Screening-Routine mit einfließen.“

Für Edgar Dahl, der die Arbeitsgruppe Molekulare Onkologie sowie der Molekularpathologischen Diagnostik am Institut für Pathologie der Uniklinik RWTH Aachen leitet, ist der Test noch weit entfernt von einer regelhaften Anwendung. Vorher müsse eine umfangreiche Validierung in großen prospektiven Studien stehen, sagt er. “Auch die Spezifität von 95 Prozent klingt zwar erst mal gut, würde aber für einen diagnostischen Screening-Test heißen, dass jeder zwanzigste Patient (das heißt fünf Prozent) falsch positiv bewertet würde; bei einer Million Getesteten wären dies 50.000 Personen.“

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