Forscher finden Dutzende gefährliche DNA-Veränderungen
Baku, den 29. März (AZERTAG). Welche Veränderungen im Erbgut erhöhen das Risiko für Prostata-, Brust- oder Eierstockkrebs? In einer großen Studie haben Forscher 80 verdächtige Merkmale gefunden. Sie hoffen nun auf verbesserte Vorsorgeuntersuchungen.
Warum erkranken manche Menschen an Krebs und andere nicht? Neben dem Lebensstil spielt auch das Erbgut eine Rolle. In einer groß angelegten Studie haben Forscher nun Dutzende kleiner DNA-Veränderungen ausgemacht, die das Risiko erhöhen, an Prostata-, Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. Sie hoffen, dass dies in Zukunft dabei hilft, das persönliche Krebsrisiko von Patienten zu bestimmen. Und wenn die genetische Grundlage des Krebses bekannt ist, ist es auch möglich, spezielle Therapien zu entwickeln.
Analysiert wurde sowohl das Erbgut von circa 100.000 Krebs-Patienten als auch das von rund 100.000 nicht an Krebs erkrankten Menschen. Die Wissenschaftler suchten dabei sogenannte Single Nucleotide Polymorphisms (SNPs). Das sind Veränderungen, bei denen an einer Position in der DNA ein Grundbaustein durch einen anderen ersetzt ist. SNPs machen einen Großteil der genetischen Unterschiede zwischen Menschen aus. Kam ein SNP bei Krebs-Patienten deutlich häufiger vor, nahmen die Forscher an, dass er das Tumor-Risiko erhöht.
Die sogenannte Collaborative Oncological Gen-environment Study (COGS) wurde unter anderem von der EU gefördert, beteiligt waren rund 160 Forschergruppen weltweit. Sie präsentieren die Ergebnisse in 13 Fachartikeln -unter anderem im Wissenschaftsmagazin „Nature Genetics“ und auch gesammelt auf einer Webseite .
Die Wissenschaftler identifizierten 49 noch nicht bekannte SNPs, die das Brustkrebsrisiko steigern; bisher waren nicht einmal halb so viele beschrieben. 26 SNPs schienen das Risiko für Prostatakrebs zu erhöhen. Damit sind nach Angaben der Forscher nun insgesamt 78 solcher Erbgut-Veränderungen bekannt. Acht SNPS gehen laut den neuen Untersuchungen mit einer erhöhten Gefahr für Eierstockkrebs einher.
Allerdings bleiben zwei schon bekannte Veränderungen in den sogenannten BRCA1- und BRCA2-Genen der größte erbliche Risikofaktor für diesen Krebs, wie das an der Studie beteiligte Moffit Cancer Center in Tampa (US-Bundesstaat Florida) berichtet. BRCA-Mutationen steigern außerdem das Brustkrebsrisiko.