Forscher finden Pille für den Mäuserich
Baku 18. August (AZERTAG). Bei Mäusen funktioniert die Verhütung für den Mann. Eine neuartige Substanz stört die Spermienproduktion, sie scheint die Mäusemännchen sonst aber nicht zu beeinträchtigen. Als Medikament für Menschen taugt das Mittel nicht - die Forscher hoffen trotzdem auf einen Durchbruch.
Forscher haben einen neuen Ansatz für eine „Pille für den Mann“ gefunden. Eine Substanz namens JQ1 beeinträchtigt bei männlichen Mäusen Qualität und Menge der produzierten Spermien so stark, dass die Tiere unfruchtbar werden. Dieser Effekt ist vollständig reversibel berichten die Wissenschaftler. Bekamen die Mäuse die Substanz nicht mehr verabreicht, regenerierte sich die Fruchtbarkeit der Tiere und sie konnten gesunden Nachwuchs zeugen.
JQ1 eigne sich nicht für klinische Studien mit menschlichen Probanden, schränkt Studienleiter James Bradner vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston ein. Der Wirkungsmechanismus sei jedoch eine gute Basis, um ein Verhütungsmittel zu entwickeln.
Eigentlich ist JQ1 ein potentieller Kandidat für ein neuartiges Krebsmedikament. Es blockiert die Arbeit eines Proteins namens BRD4, das unter anderem an der Entstehung von Lungenkrebs und verschiedenen Blutkrebsarten beteiligt ist. Die BRD-Proteinfamilie hat aber mehrere Mitglieder, die in unterschiedlichen Körperregionen vorkommen. Ein Verwandter von BRD4, BRDT genannt, spielt eine Schlüsselrolle beim Reifungsprozess von Spermien. Daher habe sich schnell die Frage gestellt, ob JQ1 auch dieses Protein blockieren könne - und damit das Zeug zu einem männlichen Verhütungsmittel habe, erzählt Bradner.