Forscher heilen Baby von HIV-Infektion
Baku, den 4. März (AZERTAG). Neue Hoffnung im Kampf gegen Aids. US-Medizinern ist es nach eigenen Angaben erstmals gelungen, ein bei der Geburt mit HIV infiziertes Kind praktisch zu heilen. Zwar sei bei dem Kind der Erreger der Immunschwächekrankheit Aids nicht verschwunden, erklärten die Virologen am Sonntag bei einem Fachkongress in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia). Aber die Menge der Viren sei nun derart gering, dass das Immunsystem des Kindes sie künftig ohne weitere Behandlung kontrollieren könne.
Die infizierte Mutter hatte den Erreger bei der Geburt auf ihr Kind übertragen. Weniger als 30 Stunden nach der Geburt hatten die Ärzte den Säugling mit einer antiretroviralen Therapie behandelt. Die Menge der Viren sei gesunken, bis sich diese nach knapp einem Monat nicht mehr messen ließen. Deborah Persaud von der Johns Hopkins University in Baltimore (US-Bundesstaat Maryland) sagte, offenbar habe die sehr frühe Behandlung dafür gesorgt, dass sich bei dem Säugling keine schwer zu behandelnden verborgenen Viren-Reservoire bilden konnten.
„Das ist der Beweis, dass es grundsätzlich möglich ist, Kinder mit einer HIV-Infektion zu heilen“, sagte Persaud. Allerdings seien weitere Tests notwendig, um sicherzustellen, dass die Behandlung bei anderen Kindern den gleichen Effekt habe.
Erst ein Fall einer Heilung bekannt - Die bisher einzige anerkannte Heilung eines Aids-Patienten ist der Fall des US-Bürgers Timothy Brown, bei dem in den neunziger Jahren in Berlin Aids diagnostiziert worden war. Der als „Berliner Patient“ bekannt gewordene Brown erhielt allerdings eine komplizierte Behandlung. Sein Immunsystem wurde praktisch zerstört. Anschließend erhielt er das Knochenmark eines Spenders mit einer seltenen genetischen Veränderung, die gegen HIV wirkt. Das jetzt in Baltimore behandelte Kind erhielt dagegen eine Mischung aus Medikamenten, die bereits routinemäßig zur Therapie von HIV-Infektionen bei Kleinkindern eingesetzt werden, wie Persaud und ihre Kollegen bei der Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections in Atlanta erklärten.
Wenn infizierte Mütter eine antiretrovirale Therapie erhalten, wird eine Infektion des Neugeborenen meist verhindert.
Unter bestimmten Voraussetzungen ist bei HIV-Infizierten bei sexuellen Kontakten ohne Kondom eine Übertragung des Virus unwahrscheinlich. Dafür müssen folgende Bedingungen auf jeden Fall erfüllt sein:
1. Punkt: die Viruslast des HIV-positiven Partners/ der HIV-positiven Partnerin ist seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze
2. Punkt: die antiretroviralen Medikamente werden konsequent eingenommen
3. Punkt: bei den Sexualpartnern/-partnerinnen liegen keine Schleimhautdefekte zum Beispiel als Folge sexuell übertragbarer Infektionen vor
4. Punkt: der Infizierte lässt regelmäßig seine Viruslast bestimmen, um Resistenzen auszuschließen
Das kleine Mädchen, das in einem ländlichen Krankenhaus zur Welt gekommen war, wurde daraufhin in die Klinik der University of Mississippi in Jackson verlegt und im Alter von nur 30 Stunden mit drei Standard-HIV-Medikamenten behandelt - noch bevor Labortests die Infektion bestätigt hatten.