Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Forscher scheitert mit Magic-Mushroom-Studie

Baku, den 8. April (AZERTAG). Ein britischer Forscher will untersuchen, ob Magic Mushrooms depressiven Patienten helfen könnten. Für die von ihm geplante Studie hat er 550.000 britische Pfund Forschungsmittel bekommen. Doch beginnen kann er nicht - die Nutzung des Pilzwirkstoffs Psilocybin ist selbst Wissenschaftlern verboten.

Es soll die erste klinische Studie an Patienten werden, die den Wirkstoff halluzinogener Pilze, sogenannter Magic Mushrooms, auf eine mögliche heilsame Wirkung untersucht. Der britische Neuropsychopharmakologe David Nutt vom Imperial College London will herausfinden, ob Psilocybin, so heißt die Substanz, die Beschwerden depressiver Menschen lindern kann. Eine Ethikkommission hat seinem Plan bereits zugestimmt, Geld für die Untersuchung wurde ihm auch bewilligt, doch mit der Studie loslegen kann er nicht.

„Wir leben in einer Welt des Irrsinns, was die Kontrolle von Medikamenten angeht“, regte Nutt sich am Sonntag bei einer Konferenz von Neurowissenschaftlern in London auf. Nutt hatte in kleinen Versuchen an gesunden Freiwilligen herausgefunden, dass Psilocybin die Symptome schwer kranker depressiver Menschen lindern könnte, die nicht auf andere Medikamente ansprechen.

Dank seiner vielversprechenden ersten Ergebnisse erhielt er vom britischen Medical Research Council eine Zusage über 550.000 britische Pfund Forschungsmittel, umgerechnet knapp 650.000 Euro. Mit diesem Geld will Nutt seine klinische Studie an Patienten durchführen.

Missbrauchsanfällig und ohne medizinischen Nutzen - Doch Psilocybin ist in Großbritannien verboten. Eine Uno-Konvention von 1971 zu psychotropen Stoffen stuft den Wirkstoff als missbrauchsanfällig ein - und ohne medizinischen Nutzen. Genau das aber, erklärt Nutt, bedeutet auch, dass Wissenschaftler eine besondere Genehmigung benötigen, um Magic Mushrooms in Großbritannien im Rahmen einer Studie einsetzen zu können. Auch die Herstellung von synthetischem Psilocybin werde von der EU streng reglementiert.

David Nutt ist es bisher nicht gelungen, einen Hersteller zu finden, der ihm Psilocybin für seine Studie zur Verfügung stellen könnte. „Firmen zu finden, die den Wirkstoff herstellen können und darauf vorbereitet sind, die regulatorischen Hürden zu bewältigen, um die Genehmigung dafür zu bekommen, stellt sich als sehr schwierig heraus“, sagte Nutt. Den zuständigen Behörden wirft er eine „primitive, vorgestrige“ Haltung gegenüber einmal als medizinisch nutzlos eingestuften Wirkstoffen ein, obwohl neue Ergebnisse nahelegten, dass die Substanzen Patienten helfen könnten.

Obwohl Nutt nur eine geringe Menge Psilocybin für seine Studie benötigt, die normalerweise wenige hundert Euro kosten würde, sorgten britische und EU-Anforderungen dafür, dass Hersteller um die 100.000 britische Pfund (rund 118.000 Euro) verlangen würden. Unter diesen Umständen, so Nutt gegenüber dem britischen „Guardian“, sei die Studie nicht durchführbar.

Forscher hat sich schon früher mit den Behörden angelegt - Pilze, die Psilocybin enthalten, wachsen weltweit in der Natur. Sie werden von Menschen schon sehr lange im Rahmen religiöser Riten oder zur Entspannung verwendet. Von US-Wissenschaftlern sind Studiendaten bekannt, die einen positiven Effekt des in der Partydroge Ecstasy enthaltenen Amphetamins MDMA bei der Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung zeigen.

„Wir wollen die Masse wenig untersuchter illegaler Wirkstoffe erforschen, um zu sehen, ob wir neue und heilsame Anwendungsmöglichkeiten finden“, sagte Nutt. Seine geplante Studie würde nur 60 Patienten mit Depressionen untersuchen, bei denen zwei vorherige Therapieversuche fehlgeschlagen sind. Während zwei oder drei kontrollierten Behandlungen würde die eine Hälfte synthetisches Psilocybin, die andere ein Placebo bekommen. Dazu sollen die Studienteilnehmer psychotherapeutisch begleitet werden.

Zuvor hatte Nutt bei gesunden Freiwilligen herausgefunden, dass eine Injektion von Psilocybin den cingulären Kortex im Gehirn bremsen kann, der bei depressiven Patienten besonders aktiv ist. „Selbst bei gesunden Menschen war es so, dass sie sich nach zwei Wochen umso besser fühlten, je stärker dieser Teil des Gehirns unter der Einwirkung dieses Wirkstoffs ausgeschaltet war. Es gibt also einen Zusammenhang zwischen dem Ausschalten dieses Systems und der Stimmung“, sagte Nutt. „Das ist die Grundlage, auf der wir unsere Studie durchführen wollen.“

David Nutt ist Probleme mit den britischen Behörden gewöhnt: 2009 wurde er als Vorsitzender des britischen Beratungsgremiums zum Missbrauch von Medikamenten abberufen. Die verantwortlichen Politiker hatten sich an seiner Einschätzung gestört, dass illegale Drogen wie Ecstasy oder LSD weniger gefährlich seien als Alkohol.

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