Gefährliches Virus stammt aus dem Regenwald
Baku, den 18. Juni (AZERTAG). In Nord- und Südamerika können Stechmücken ein Virus übertragen, das eine tödliche Hirnhautentzündung auslösen kann. Forscher haben den Ursprung des Erregers analysiert: In der Kolonialzeit holten es Menschen aus den Tiefen des Regenwaldes.
Ein internationales Forscherteam hat rekonstruiert, wie sich ein Virus in den vergangenen Jahrzehnten in Süd- und Nordamerika ausgebreitet hat. Die Hoffnung ist, dass mit solchen Computermodellen das Verhalten von Erregern auch für die Zukunft berechenbarer wird, schreiben sie im Fachjournal „mBio“ .
Das sogenannte St.-Louis-Enzephalitis-Virus (SLEV) wird durch Stechmücken übertragen. Nach Angaben der Wissenschaftler kann es gerade bei älteren Menschen nach Fieber und Kopfschmerzen zu einer tödlich verlaufenden Hirnhautentzündung führen. Seinen Namen hat das Virus von der Stadt St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Dort wurde der Erreger im Jahr 1933 erstmals beschrieben. Seitdem habe das Virus mehr als 50 Epidemien in den USA und Kanada ausgelöst, schreiben die Forscher.
„Der Ursprung des Virus lag aber bislang im Dunkeln“, sagt Sandra Junglen vom Universitätsklinikum Bonn, die an der Studie beteiligt war. Es war noch nicht einmal klar, ob der Erreger aus Amerika stammte - oder vielleicht, wie das West-Nil-Fieber, dort eingeschleppt wurde.
Für ihre Forschung gingen die Wissenschaftler auf Mückenfang in Mexiko. Im Palenque-Nationalpark sammelten sie knapp 3500 Stechmücken - ganz bewusst in Zonen, die vom Menschen unberührt waren, aber auch in der Nähe von Siedlungen. Bei drei Moskitos fanden sie das Enzephalitis-Virus.
Sie verglichen diesen Stamm mit anderen in Nord- und Mittelamerika aufgetretenen Variationen von SLEV. Bei dem Erreger aus dem Nationalpark handelte es sich um eine stark unterschiedliche Linie, aber die Stämme waren eindeutig verwandt.
Gemeinsamer Vorfahre existierte vor rund 330 Jahren - Mit Hilfe von Computermodellen kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass der gemeinsame Vorfahre der heutigen Virenstämme vor rund 330 Jahren im Gebiet von Südmexiko und Panama existiert hat. Während dieser Zeit sind Menschen nach der Kolonisation verstärkt in die Regenwälder vorgedrungen. Wahrscheinlich haben sie sich dort erstmals infiziert. Danach könnten sich die Virenstämme immer wieder verändert haben.
Nicht nur Mücken können das Virus in sich tragen, sondern auch Vögel. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Erreger wahrscheinlich in New Orleans eingeschleppt und hat sich von dort entlang des Mississippi Richtung St. Louis ausgebreitet, mutmaßen die Wissenschaftler. Nach Nordamerika gelangte er wohl durch den Schiffsverkehr während der Kolonialzeit. Weiter verbreitet habe er sich entlang von Zugvogel-Routen.