Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Ibuprofen – Hilft dem Kopf, schadet dem Körper

Baku, den 1. Juni (AZERTAG). Eine neue Studie zeigt, dass Schmerzmittel das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Besonders die langfristige Einnahme von Diclofenac, Ibuprofen und Coxiben sollte abgewogen werden.

Die Hemmung eines einzelnen Enzyms kann aus einem schmerzvollen Tag einen erträglichen machen. Ebenso kann die Hemmung desselben Enzyms das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen massiv erhöhen.

Nutzen und Risiko liegen bei Schmerzmitteln, die auf der Hemmung der sogenannten Cyclooxogenase (Cox) beruhen, besonders eng beieinander. Eine neue Studie des Fachblatts „Lancet“ belegt dieses Dilemma mit konkreten Daten. Das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt insbesondere bei Einnahme von Diclofenac, Coxiben oder Ibuprofen, wie die Analyse der britischen Forscher von der Universität Oxford ergab.

Diclofenac und Ibuprofen - Sie werteten die Daten von 350.000 Patienten aus, die täglich, langfristig und hoch dosiert Schmerzmittel einnahmen: in der Regel 150 Milligramm Diclofenac oder 2400 Milligramm Ibuprofen jeden Tag. Wenn je 1000 Patienten ein Jahr lang Diclofenac, Coxibe oder ein Placebo nehmen, dann ereignen sich in der Diclofenac- und in der Coxibe-Gruppe drei zusätzliche schwere Gefäßerkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Auch für Ibuprofen zeigte sich ein gesteigertes Herz-Kreislauf-Risiko, das allerdings nicht so deutlich wie bei den anderen beiden Schmerzmitteln war. Überraschend sind vor allem die deutlichen Ergebnisse zu Diclofenac und Ibuprofen, denn bei Coxiben ist das Herz-Kreislauf-Risiko schon länger bekannt.

Vielseitiges Enzym - Doch wieso hat ein Schmerzmittel überhaupt Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System? Schuld daran ist die Omnipräsenz des Enzyms, das von all diesen Medikamenten gehemmt wird.

Es ist eben nicht nur für Schmerz zuständig, sondern auch an der Entzündungsentstehung, an der Gerinnung, an dem Erhalt der Magenschleimhaut und vielen weiteren Körperprozessen beteiligt, die teilweise noch nicht einmal entschlüsselt sind. Wird das Enzym gehemmt, dann werden also gleiche mehrere Prozesse beeinflusst - und nicht immer ist der Einfluss wünschenswert.

Herz-Kreislauf und Verdauungstrakt - Heikel sind insbesondere die Nebenwirkungen im Herz-Kreislauf-System und im Verdauungstrakt. Denn die dauerhafte und hoch dosierte Einnahme der Schmerzmittel kann sowohl zu Magenblutungen als auch zu Herzinfarkt und Herzversagen führen.

Allerdings erhöht nicht jeder Wirkstoff gleichsam das Risiko: Das Nebenwirkungsprofil ist sehr verschieden, da die einzelnen Wirkstoffe die Untergruppen der Cox unterschiedlich stark hemmen. Wird beispielsweise die Cox-1 deutlich gehemmt, werden Magenblutungen und Geschwüre wahrscheinlicher. Wird dagegen spezifisch die Cox-2 gehemmt - wie es bei Coxiben der Fall ist -, werden Gefäßerkrankungen wiederum häufiger.

Nur bei dauerhafter Einnahme - Wer ab und an bei Kopf- oder Gliederschmerzen eine Tablette davon nimmt, hat in der Regel jedoch nichts zu befürchten. Bei sporadischer Einnahme sind weder Herzinfarkt noch Schlaganfall wahrscheinlich. Anders ist es beispielsweise bei Rheuma-Patienten, die wegen ihrer chronischen Gelenkentzündungen oft längerfristig Medikamente einnehmen müssen.

Vor einigen Jahren gehörten zu diesen Medikamenten auch Cox-Hemmer, die vor allem die chronischen Schmerzen lindern sollten. Entsprechend hoch war ihr Risiko, eine der gefährlichen Nebenwirkungen zu bekommen.

„Mittlerweile behandeln wir aber vielmehr die Ursachen anstelle der Symptome. Cox-Hemmer sind in der Rheuma-Behandlung in der Regel nur noch Bedarfsmedikamente, die nicht täglich genommen werden“, sagt Klaus Krüger, Vorsitzender der Kommission Pharmakotherapie von der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie.

Dennoch rät Krüger immer zu einer sorgfältigen Abwägung und einer deutlichen Aufklärung über deren Nebenwirkungen. „Da viele Schmerzmittel frei verkäuflich sind, wissen Ärzte oft nicht, wie viele Tabletten ihre Patienten wirklich nehmen“, so Krüger. Bleibe die Einnahme irgendwann nicht mehr die Ausnahme, seien auch schwere Nebenwirkungen nicht mehr unwahrscheinlich.

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