Internationale Energieagentur ändert Prognose und rechnet nun mit weiter steigender Ölnachfrage
Baku, 14. November, AZERTAC
Die Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass die weltweite Nachfrage nach Gas und Öl noch jahrzehntelang weiter ansteigen könnte. Damit korrigierte sie frühere Einschätzungen, die von einem schnelleren Übergang zu klimafreundlicheren Ressourcen ausgegangen waren. Zuvor hatte die US-Regierung die Organisation kritisiert und ihr einen zu großen Fokus auf Klimaschutz vorgeworfen.
In ihrem jährlichen Ausblick geht die IEA auch davon aus, dass die Staatengemeinschaft das selbst gesteckte 1,5-Grad-Ziel vermutlich klar verfehlt. Dieses sieht vor, dass die Erderwärmung möglichst auf einen Anstieg von 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter begrenzt werden soll. So sollen zumindest die schlimmsten Folgen des Klimawandels begrenzt werden.
Zweistellig steigender Energiebedarf - Im aktuellen Jahresbericht geht die IEA nun davon aus, dass die Ölnachfrage gegen Mitte des Jahrhunderts 113 Millionen Barrel pro Tag betragen könnte – 13 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Der weltweite Energiebedarf steige bis 2035 um 15 Prozent.
Die in Paris ansässige Organisation steht unter massivem Druck aus den USA. US-Präsident Donald Trump rief einheimische Unternehmen immer wieder dazu auf, die Förderung fossiler Energieträger ungeachtet der Umweltfolgen zu steigern.
Während der Amtszeit der Vorgängerregierung von Joe Biden hatte die IEA noch prognostiziert, dass die weltweite Nachfrage nach Öl in diesem Jahrzehnt ihren Höhepunkt erreicht und dann fällt. Die Energieagentur rief deshalb dazu auf, nicht länger in neue Projekte mit Öl, Gas oder Kohle zu investieren. Nur so ließen sich bis zur Mitte des Jahrhunderts die Klimaziele erreichen.
Geändertes Vorhersagemodell - Trumps Energieminister Chris Wright hatte die Prognose „unsinnig“ genannt. Die IEA finanziert sich aus Beiträgen ihrer Mitglieder, wobei die Vereini gten Staaten der wichtigste Finanzier der Organisation sind. Die neue Vorhersage der IEA beruht nun auf der aktuellen Politik vieler Regierungen und nicht mehr auf vereinbarten Klimazielen (Spiegel).
Kurz vor der Vorstellung hatte auch die Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) ihre Analysen aktualisiert. Gehe man davon aus, dass vorgeschlagene, aber noch nicht rechtlich verbindliche Maßnahmen zum Klimaschutz umgesetzt würden, könnte die Nachfrage nach Öl um das Jahr 2030 den Höhepunkt erreichen.
Die Opec geht allerdings nicht davon aus, dass dies eintritt und hat verschiedene Szenarien entworfen. Die Möglichkeit, das Klima noch verbindlicher zu schützen, wurde demnach mangels Grundlagen erst gar nicht untersucht.
Weiter hieß es, das verfügbare Angebot an LNG-Flüssiggas werde sich bis zum Jahr 2030 voraussichtlich verdoppeln. Als Grund dafür nennt die Organisation auch die rasant steigende Nachfrage nach KI-Anwendungen und Rechenzentren.