Kandidatenturnier: Erster Schach-Star deutet Rückzug an
Baku, 16. März, AZERTAC
Vom 29. März bis zum 15. April findet auf Zypern das Kandidatenturnier statt, bei dem die Herausforderer der aktuellen Schach-Weltmeister Dommaraju Gukesh (Indien) und Ju Wenjun (China) ermittelt werden. Ein erster bekannter Name des 16-köpfigen Teilnehmerfelds droht nun jedoch mit einem Rückzug.
Das Schach-Kandidatenturnier 2026 wird womöglich ohne die ehemalige Schnellschach-Weltmeisterin Koneru Humpy über die Bühne gehen. Die 38-jährige Inderin deutete im Interview mit der "Hindustan Times" ihren freiwilligen Rückzug an. Grund sind Sicherheitsbedenken.
"Es macht einfach überhaupt keinen Sinn. Es ist gefährlich, im Moment in die Nähe von West-Asien zu reisen, während es dort so große Spannungen und Unsicherheiten gibt. Der Krieg hat vor Kurzem begonnen und läuft noch, das Turnier ist aber keine zwei Wochen weit weg", sagte Humpy, die sich anschließend direkt an den Weltverband FIDE wandte.
"Aus organisatorischer Sicht ist es einfach die falsche Entscheidung. Es ist eins der wichtigsten Turniere und man muss sich nur um 16 Spieler kümmern. Warum kümmert man sich nicht um Alternativen und ein anderes Austragungsdatum?", richtete sie ihre Frage an den Verband.
Schachverband sieht keinen Grund für Verlegung - Dieser hatte die Sicherheitsbedenken der indischen Großmeisterin bereits vorab gegenüber "Chessbase India" vom Tisch gewischt. FIDE-CEO Emil Sutovsky erklärte, dass Zypern nicht vom Krieg betroffen sei - obwohl der britische Luftwaffenstützpunkt Akrotiri Anfang März von einer Drohne getroffen wurde. Seitdem hat es auf der Insel jedoch keine Vorfälle mehr gegeben.
"Unsere Pläne haben sich nicht geändert", sagte Sutovsky. "Natürlich beobachten wir die Situation. Zypern ist nicht weg von, sagen wir, der Kriegszone, aber gleichzeitig auch nicht in irgendeiner Art und Weise direkt involviert und nicht im Kriegszustand."
Unmittelbar nach dem Drohnenangriff auf die Militärbasis habe die Lage noch anders ausgesehen. "Aber seitdem scheint die Situation ruhig zu sein", so der Verbandschef, der einen Alternativplan zumindest andeutete: "Wir ziehen zahlreiche Szenarien in Betracht, sogar die unwahrscheinlichsten."
Humpy reichen diese Worte für ein feste Zusage allerdings nicht aus. "Ich werde über Frankfurt statt Doha fliegen, wenn sich die Lage verbessern und es einen Waffenstillstand geben sollte. Ich habe bis zum letzten Moment das Recht, das Turnier zu spielen. Im Moment sieht es aber nicht so aus, als würde die Situation besser werden. Und am Ende des Tages ist das Leben größer als der Sport", deutete sie ihren Verzicht an, sollte das Turnier wie geplant durchgezogen werden. (Sportde)