Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Keiner lebt so lang wie Männer in Israel

Baku, den 2.November (AZERTAG) Ausgerechnet dort, wo viele nicht mehr an Frieden glauben, werden besonders Männer älter als an jedem anderen Ort der Welt. Was machen die Israelis anders?

Es handelt sich nur um eine halbe Anekdote. Denn fest steht: Die Israelis leben im Durchschnitt lang und gesund. Wer 2010 in dem Land geboren worden ist, hat mindestens 81,7 Lebensjahre vor sich. Das belegen aktuelle Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Israel rangiert somit statistisch vor den reichen Wohlfahrtsländern Norwegen, Kanada und Deutschland. Weltspitzenreiter sind die Israelis unter den Männern, mit einer Lebenserwartung von rund 80 Jahren. Das ist erstaunlich in einem Land, in dem sich die Hälfte der Bevölkerung existenziell bedroht fühlt und nicht glaubt, dass es je Frieden geben wird.

Über die genauen Gründe für die hohe Lebenserwartung lässt sich allenfalls spekulieren. Experten verweisen auf ein Zusammenspiel aus umfassender Gesundheitsversorgung, moderner Präventivmedizin, dem genetischen Mix, einer ausgewogenen Mittelmeer-Diät, eng geknüpfter sozialer Netzwerke sowie einem hohen Maß an Aktivität im Alter.

Nach Angaben OECD etwa ist der Anteil der berufstätigen 55 bis 64-jährigen Israelis seit 2001 von 48 auf 61 Prozent angestiegen. Unter den 65 bis 60-Jährigen arbeiten mittlerweile 29 Prozent statt zuvor 17. Zudem gehen Israelis im vorgerückten Alter mehr Vollzeitbeschäftigungen nach als in anderen Ländern der OECD. Israelische Männer werden mit 67 Jahren pensioniert, wobei es Diskussionen darüber gibt, das Rentenalter auf 69 Jahre auszudehnen. Möglichst lange zu arbeiten, ist für viele Israelis oft aus finanziellen Gründen notwendig. Aber es hat auch einen kulturellen Hintergrund, der sich durchaus als lebensverlängernd erweisen könnte.

Wer jenseits des Rentenalters nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt aktiv ist, und das gilt häufig für Frauen, die offiziell mit 62 pensioniert werden, engagiert sich im Alter oft und gerne freiwillig - sei es in Kindergärten, Schulen, Behindertenheimen, Krankenhäusern oder im Zoo - sofern einen nicht die Enkelkinder brauchen. Das „sich einspannen lassen“ als Großeltern geht sogar so weit, dass mittlerweile immer mehr Vorträge angeboten werden, in denen Psychologen dieser Generation raten, sie dürften sich durchaus auch ein bisschen Zeit für sich selbst nehmen und müssten nicht ihre gesamte Energie dem Nachwuchs widmen.

Gerade dieses Engagement aber ist für Gad Yair von der Hebräischen Universität in Jerusalem ein weiterer Schlüssel für ein langes Leben. Als Verfasser des Buchs The code of Israeliness hält der Soziologe zwischenmenschliche Kontakte für die beste Voraussetzung für ein langes Leben; er nennt sie soziales Kapital, von dem in Israel ausreichend vorhanden sei. Gemeint sind familiäre Beziehungen, Freunde und feste Bezugspunkte für Senioren, wie sie etwa von Freiwilligenorganisationen initiiert werden.

Yair spricht in diesem Zusammenhang auch von „sofortiger Intimität“, die die israelische Gesellschaft auszeichne, das heißt die Menschen kommen im Alltag schnell miteinander in Kontakt, sei es im Wartezimmer oder in einem Wohnhaus. Soziale Barrieren würden schnell durchbrochen, was zu mehr Kommunikation im Alltag und weniger Depressionen führe. Statistisch kann Israel jedenfalls mit die geringsten Selbstmordraten der westlichen Länder vorweisen - nur sechs von 100.000 Israelis töten sich selbst. Das ist weniger als die Hälfte der Rate in Ländern wie Schweden, Frankreich und Deutschland.

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