Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Klimawandel ermöglicht Pinot Grigio von der Ostsee

Baku, den 9. April (AZERTAG). Bordeaux, das Rhonetal oder die Toskana werden dem Weinbau langfristig abschwören müssen. Dafür könnten Wirte an der Ostsee zum Fischbrötchen den Wein aus heimischem Anbau kredenzen.

Für passionierte Weinliebhaber kann die Zukunft düster aussehen, wenn US-Wissenschaftler mit ihren Prognosen Recht behalten. Für die Zeit um 2050 gehen sie davon aus, dass Gegenden wie Bordeaux, das Rhonetal oder die Toskana durch den Klimawandel kaum noch für den Weinbau geeignet sein werden. Dafür bieten sich entlang der Ostseeküste oder in den Rocky Mountains potenziell gute Chancen, schreiben die Forscher in der US-Fachzeitschrift „PNAS“. Ein kleiner Trost: Noch sind es nur Modellrechnungen.

Doch auch die könnten den Freunden französischer oder italienischer Weine die Tränen in die Augen treiben. In tiefem Rot haben die Forscher um Lee Hannah (Betty and Gordon Moore Center for Ecosystem Science in Arlington, Virginia) die Gegenden auf dem Globus eingefärbt, die ihnen wegen zu großer Hitze und Wasserknappheit nicht mehr als Weinbaugebiete geeignet erscheinen.

Mit am härtesten trifft es nach ihren Klima-Modellrechnungen die Mittelmeerregion. Heute ist sie noch eine der bedeutendsten Weinproduzenten weltweit, mit jenem mediterranen Klima, das Trauben für Qualitätsweine gut tut: warme und trockene Sommer, kühle und nasse Winter. Der Klimawandel könnte diese Wohlfühl-Temperaturen verändern.

Auch Chile verliert gute Lagen - Doch auch in Südafrika, Chile, Australien und traditionellen US-Weinbaugebieten wie Kalifornien ist es auf der Prognose-Weltkarte schon gefährlich Rot. Chile werde wahrscheinlich traditionelle gute Lagen wie die Täler von Maipo, Cachapoal und Colchagua für Wein verlieren, heißt es in der Studie. Ähnliches gilt nach den Berechnungen für bedeutende Lagen in Südafrika, Australien oder Kalifornien. In anderen Gebieten dieser Länder bleibe die Rebenzucht aber möglich - näher an der Küste zum Beispiel, heißt es in der Studie.

Steigende Temperaturen machen nach den Rechenmodellen die Rebenzucht dafür in Regionen möglich, die bei heutigen Weinkennern leichte Zweifel erwecken dürften: Südschweden, das Baltikum, die Südostküste Großbritanniens, die Rocky Mountains an der Grenze zu Kanada - und in viel größerem Stil als heute auch Neuseeland.

Zum reinen Grusel-Vergnügen haben die Wissenschaftler die möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf den Weinbau aber nicht hochgerechnet. Es ist vielmehr die Sorge um den „ökologischen Fußabdruck“, der sie umtreibt.

Wettstreit um Wasser nimmt zu - Heutige traditionelle Weinregionen werden kaum freiwillig aufgeben. Vermutlich versuchen sie, so lange wie möglich weiterzumachen: durch intensive Bewässerung und mit einem Sprühnebel, der die Luft um die Rebstöcke herunterkühlt. Doch das hat - zum Beispiel im Mittelmeerraum - wahrscheinlich einen noch schärferen Wettstreit um das ohnehin knappe Gut Wasser zur Folge.

Die Ausdehnung in Gebiete, die für den Weinbau bisher nicht taugen, sehen die Forscher keineswegs als harmlos an. Flora und Fauna in Regionen, die bisher nicht landwirtschaftlich genutzt wurden, könnten verdrängt werden, schreiben sie. Die Artenvielfalt könnte leiden, wenn große Gebiete plötzlich für die Rebenzucht eingezäunt würden. Die Befürchtungen gelten auch für China. In weintauglichen Regionen lebt dort auch der Pandabär - ohnehin vom Aussterben bedroht.

Die Autoren räumen aber auch ein, dass ihre Prognose mit vielen Unsicherheiten gespickt ist. Wer weiß heute, wie groß die Lust auf Wein im Jahr 2050 sein wird? Oder welche chemischen Tricks es geben wird, um dem Rebensaft aus wärmeren Gegenden den heutigen Geschmack zu erhalten? Die Wissenschaftler hoffen nur, dass beim Ausweichen auf potenziell neue Flächen der Artenschutz im Blick bleibt - und nicht allein das rein wirtschaftliche Element siegt.

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