Klimawandel könnte Nordpol-Route möglich machen
Baku, den 5. März (AZERTAG). Die schmelzenden Eismassen infolge der Erderwärmung könnten bis zur Mitte des Jahrhunderts neue Schiffsrouten durch die Arktis ermöglichen. Das zeigt eine neue Analyse, die US-Forscher in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“) vorstellen. Experten warnen jedoch vor drohenden Gefahren.
Für ihre Untersuchung kombinierten Laurence Smith und Scott Stephenson von der University of California (Los Angeles) die Ergebnisse von sieben anerkannten globalen Klimamodellen. Mithilfe der Daten simulierten sie ein Modell des Arktischen Ozeans und ließen ein Navigationsprogramm mögliche neue Routen für verschiedene Schiffstypen berechnen.
Ihre Berechnungen beschränkten sie dabei auf September, den Monat mit der geringsten Eisdichte in der Arktis. Insgesamt werde die Schiffbarkeit in der Region bis Mitte des Jahrhunderts deutlich zunehmen, berichten die Forscher.
Vom Pazifik über den Nordpol zum Atlantik - Die Forscher gehen davon aus, dass Hochseeschiffe bis Mitte des Jahrhunderts immer häufiger über die Nordostpassage vor der Küste Sibiriens gelangen können. Eisfeste kommerzielle Schiffe der Polarklasse PC6 könnten dann vom Pazifik bis zum Atlantik sogar in einer geraden Route über den Nordpol hinweg fahren. Die Polarklasse bezeichnet die Einstufung der Eisfestigkeit von Schiffen, die für eisbedeckte Gewässer gebaut wurden und eine spezielle Eisverstärkung besitzen.
„Bislang hat noch niemand über die Schifffahrt direkt über den Nordpol hinweg gesprochen“, sagte Smith. Die Route sei um 20 Prozent kürzer als die heutige am stärksten befahrene entlang der Küste Russlands.
Derzeit sei zudem die Nordwest-Passage entlang Kanada und Alaska nur in einem von sieben Jahren befahrbar und damit unberechenbar für die kommerzielle Schifffahrt. Doch bei der voranschreitenden Eisschmelze könnte die Durchfahrt Mitte September in jedem zweiten Jahr für solche Schiffe möglich sein.
Die Forscher betonen jedoch, dass die Studie ausschließlich eine geophysikalische Perspektive einnimmt. Andere Sichtweisen, beispielsweise aus ökonomischer, ökologischer oder politischer Perspektive, werden darin nicht berücksichtigt.