Meeresspiegel steigt um 2,4 Millimeter jährlich
Baku, den 4. Juni (AZERTAG). Geowissenschaftler haben den jüngsten Anstieg des Meeresspiegels beziffert - auf 2,4 Millimeter pro Jahr. Für die Berechnung nutzten sie einen Satelliten, der das Schwerefeld der Erde vermisst. Prognosen bleiben aber schwierig.
Die Größenordnung ist wenig überraschend, die Methodik schon eher. US-Wissenschaftler haben durch neuartige Analysen berechnet, dass der Meeresspiegel in den vergangenen Jahren um rund 2,4 Millimeter pro Jahr gestiegen ist. Hauptgrund dafür sei das Abschmelzen des Polar- und Gletschereises, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Nature Geoscience“.
Für ihre Berechnungen kombinierten die Wissenschaftler Satelliten-Daten mit Messungen im Ozean. Der Satellit „Grace“ (Gravity Recovery And Climate Experiment) lieferte Informationen zur genauen Verteilung von Wasser und Landmassen auf der Erde. Diese ergänzten die Forscher mit Daten über die Temperatur und den Salzgehalt der Ozeane.
Ihr Ergebnis von 2,4 Millimetern jährlich bezieht sich auf den Zeitraum von 2005 bis 2011. Damit liegen die Wissenschaftler von der University of Texas in Austin in einem ähnlichen Bereich wie vergleichbare Messungen aus den vergangenen Jahren.
Die Messungen des Satelliten „Grace“ gibt es seit mehr als zehn Jahren. „Wenn man diese Daten aber in einen Meeresspiegelanstieg umrechnen will, muss man wissen, wie viel Masse in ein Ozeanbassin hinein- und aus ihm hinausgeflossen ist“, sagt Anders Levermann, Klimawissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Das müsse aber nicht nur Wasser sein, auch Erdkruste könne sich bewegen. Die Studie habe eine gute Methode gefunden, diese Größe mit einzubeziehen.
Die Debatte um das exakte Ausmaß des Meeresspiegelanstiegs läuft bereits seit Jahren. Dabei wird um jeden Zehntelmillimeter gefeilscht, insbesondere wenn Prognosen für die kommenden Jahrzehnte aufgestellt werden sollen. Die sind nach wie vor enorm kompliziert zu bestimmen. Denn für jede Komponente innerhalb der Berechnung gibt es verschiedene physikalische Modelle, die miteinander kombiniert werden müssen.