Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Mini-Herzschrittmacher wird ohne OP eingesetzt

Baku, den 14. Januar (AZERTAG). Keine große Operation, keine Elektrode. Die Schrittmacher der neuen Generation werden per Katheter implantiert und sitzen direkt im Herzen. Das könnte Standard werden - aber nicht für alle Patienten.

Wundschmerzen, Entzündungen, Narben, Schmerzen im Arm und ein sichtbarer Fremdkörper unter den Haut: Was vielen Trägern von Herzschrittmachern nach der Implantation zusetzt, soll mit einer neuen Generation von Geräten nun der Vergangenheit angehören.

Zwei Firmen haben Herzschrittmacher entwickelt, die nur rund ein Zehntel so groß sind wie die herkömmlichen Geräte - kaum größer als eine Eineuromünze. Sie wirken direkt im Herzen und werden ohne große Operation per Katheter eingesetzt. Die Miniatur-Schrittmacher könnten zum neuen Standard werden. Doch die neuen Geräte sind nicht für alle Patienten geeignet.

Als erster Miniatur-Herzschrittmacher für den europäischen Markt wurde im Oktober 2013 der „Nanostim“ der Firma St. Jude Medical zugelassen, der ohne Elektroden funktioniert. Auch die Firma Medtronic arbeitet an einem solchen Mini-Herzschrittmacher, ihr „Micra TPS“ befindet sich allerdings noch in der Testphase.

Dieser laut Herstellerangaben kleinste Herzschrittmacher der Welt wurde im Dezember 2013 im Rahmen der Erprobungs-Studie für die Zulassung des Geräts in Österreich erstmals implantiert. Beide Typen wirken direkt im Herzen und kommen so ohne Elektrode aus, die bei herkömmlichen Modellen wie eine Sonde vom Gerät in die Herzkammer geführt wird.

Ein Zehntel so groß wie herkömmliche Geräte - Der Nanostim ähnelt äußerlich einer Tintenpatrone für Füller: Ein schmales Stäbchen mit einer gewundenen Feder an einem Ende. „Der Nanostim wiegt nur zwei Gramm, das ist die Hälfte eines DIN-A4-Blattes, und ist mit einem Volumen von einem Kubikzentimeter 90 Prozent kleiner als die herkömmlichen Geräte“, sagt Astrid Tinnemans, Public Relations Manager der St. Jude Medical GmbH. Der Nanostim wird vom Arzt mit einer 1,3 Millimeter großen Schraube direkt am Herzmuskel festgeschraubt.

Über den gleichen Weg kann er auch wieder entfernt werden. Die Implantation dauerte nach Herstellerangaben in der Studie durchschnittlich eine knappe halbe Stunde. Auch bei herkömmlichen Schrittmachern dauern die meisten OPs laut Herschrittmacher-Register zwischen 30 und 60 Minuten.

Ähnlich ist das Micra TPS (Transcatheter Pacing System) von Medtronic aufgebaut. Anstelle einer Schraube hat das Gerät an einem Ende vier kleine Ärmchen, mit denen der Arzt es wie einen Anker im Herzmuskelgewebe fixiert. Diese Mini-Greifer bestehen aus Nitinol, einer Mischung aus Nickel und Titan, und werden in der Herzkammerwand verhakt.

Muss der Arzt das Gerät entfernen oder neu positionieren, kann er die Ärmchen wieder lösen. Das Micra TPS hat laut Herstellerangaben weniger als einen Kubikzentimeter Volumen und soll um rund ein Drittel kleiner sein als das Konkurrenzprodukt Nanostim.

Die Schrittmacher werden per Katheter eingesetzt - Während der Nanostim bereits zugelassen ist, befindet sich das Micra TPS noch in der Entwicklung und durchläuft gerade die klinische Prüfung. Es soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.

Die neuartigen Mini-Herzschrittmacher werden Patienten über einen Katheter implantiert, der über die Oberschenkelvene an der Leiste eingeführt wird. Durch diesen minimalinvasiven Eingriff ist das Risiko der Implantation deutlich geringer als bei einer herkömmlichen Herzschrittmacher-OP.

„Die neuen Geräte haben den Vorteil, dass man keine Elektroden braucht“, sagt Professor Volkmar Falk, Direktor der Klinik für Herz- und Gefässchirurgie am Universitätsspital Zürich.

Denn die bergen Komplikationspotenzial: „Es können bakterielle Entzündungen auftreten, außerdem muss man die Elektrode durch die Trikuspidalklappe, eine Klappe zwischen rechter Herzkammer und Vorhof, schieben“, so Falk. Das könne den Klappenschluss behindern oder die Klappe verletzen.

Mini-Geräte mit langer Batterielaufzeit - Herkömmliche Herzschrittmacher sind einige Zentimeter große, batteriebetrieben Geräte mit einer drahtartigen Elektrode daran, die als Sonde in die Herzkammer eingeführt wird. Herzschrittmacher überprüfen die Herzfunktion und provozieren einen Herzschlag, wenn dieser einmal aussetzt oder zu spät kommt.

Dabei misst die Elektrode die Signale im Herzen und leitet sie an das Gerät weiter, das meistens unterhalb des Schlüsselbeins eingesetzt wird. Gibt dieses einen elektrischen Impuls ab, leitet die Elektrode diesen direkt ins Herz, wodurch er ein Zusammenziehen des Herzmuskels auslösen soll.

Die neuen Miniatur-Herzschrittmacher funktionieren genau wie die gängigen Apparate. Weil sie wegen ihrer geringen Größe direkt in der Herzkammer platziert werden, können Nanostim und Micra TPS aber die Funktionen von Impulsgeber und Elektrode in einem Gehäuse bündeln.

Trotz der kleinen Größe sollen die Batterien der neuen Geräte recht langlebig sein: Laut Nanostim-Hersteller St. Jude Medical hält die Batterie im Schnitt mehr als neun Jahre, wenn er das Herz durchgehend stimuliert, und mehr als 13 Jahre, wenn das Gerät nur zu 50 Prozent stimulieren muss.

„Von der Funktion her sind die Nanostims wie die herkömmlichen Herzschrittmacher, nur eben in Miniaturgröße“, sagt Astrid Tinnemans von St. Jude Medical. Im Dezember 2013 implantierten Ärzte in der Kerckhoff Klinik Bad Nauheim deutschlandweit erstmals einen Nanostim, inzwischen wurden rund zehn der Geräte in der Bundesrepublik eingesetzt.

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