Neuer Gentest verrät, wie Tuberkulose sich verbreitet
Baku, den 16. Februar (AZERTAG). Millionen Menschen erkranken jährlich an TBC. Immer öfter sind die Erreger resistent gegen Antibiotika. Ein Schnell-Gentest vereinfacht jetzt die Jagd auf die Bakterien.
Tuberkulose, kurz TBC, gibt es das überhaupt noch? Die Lungenkrankheit, die viele Deutsche nur noch aus historischen Büchern und Filmen kennen, ist global gesehen noch immer ein großes Problem. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO erkrankten allein 2011 weltweit 8,7 Millionen Menschen daran, 1,4 Millionen starben.
Jetzt haben Infektionsbiologen eine neue Methode entwickelt, mit der sich Tuberkulose-Ausbrüche genauer und schneller verfolgen lassen. Zudem lassen sich Bakterien-Stämme so auf Resistenzen testen. Im Onlinefachjournal PLOS Medicine stellten die Forscher die neue Technik vor, die sie an 86 TBC-Patienten aus Deutschland erprobt haben.
Die Wissenschaftler machten sich für ihren neuen Test zunutze, dass die stäbchenförmigen TBC-Bakterien, wie auch wir Menschen, ein Erbgut aus Genen haben, das man entziffern kann. Darin verstecken sich Informationen darüber, woher die Erreger stammen. Denn während sie sich im Körper eines Infizierten vermehren, auf jemand anderes übergehen, und sich im Körper des Angesteckten weiter fortpflanzen, verändert sich ihr Erbgut ständig. Im Durchschnitt 0,4 Mal pro Jahr. Bei der Verdopplung ihres Erbguts treten also kleine Fehler auf, die von einer Bakterien-Generation an die nächste weitergegeben werden.
Und genau an diesen Spuren im Erbgut können Forscher die Reise eines Bakterien-Stammes zurückverfolgen und so herausfinden, ob etwa Krankheitsausbrüche an zwei Orten der Erde zusammenhängen, oder ob sich die Patienten an unterschiedlichen Infektionsherden angesteckt haben.
Mit bisherigen Tests war das zwar schon möglich, doch man hatte nur einen groben genetischen Fingerabdruck, der nur bestimmte Erbgut-Abschnitte erfasst. Mit der neuen Sequenzier-Technik wird hingegen das komplette Erbgut von Mycobacterium tuberculosis aufgeschlüsselt. Dieser Test erkennt auch Gene, die dafür verantwortlich sind, ob ein Medikament gegen das Bakterium hilft oder nicht.
Beim Vergleich der alten Methode mit der neuen stellte sich heraus, "dass die untersuchten Tuberkulose-Bakterien aus dem Jahr 1997 zwar einen identischen genetischen Fingerabdruck hatten, sich in der Genomanalyse aber deutlich unterschieden", sagte Stefan Niemann vom Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften am FZ Borstel.
Erkrankt jemand an Tuberkulose, werden sofort alle Personen im Umfeld des Infizierten untersucht. Zumindest in Ländern wie Deutschland, in denen es gut arbeitende Gesundheitsbehörden und ausreichend Medikamente gegen TBC gibt.
Dank des neuen Tests lässt sich bei dieser Untersuchung noch schneller klären, wer sich bei wem angesteckt hat. Das ist auch deshalb so wichtig, weil TBC eine Erkrankung ist, die lange im Verborgenen schlummern und erst Jahre später ausbrechen kann.
Die Bakterien lösen in der Lunge Entzündungen aus, von denen gesunde Menschen jedoch häufig zunächst nichts merken. Ihre Körperabwehr-Zellen reagieren prompt, kapselt die Bakterien in der Lunge ein und machen sie unschädlich - allerdings nur vorerst. Denn in den sogenannten Tuberkeln, die sich dabei bilden, leben die Bakterien weiter und warten nur darauf, dass die Immunabwehr geschwächt wird. Mangelernährung, chronische Erkältung, eine Aids-Erkrankung oder Altersschwäche - all das sind Voraussetzungen, unter denen die Tuberkulose dann ausbrechen kann. Jetzt erst kommt es zu den typischen Symptomen, wie schwerem, teils blutigem Husten. In diesem Stadium sind die Erkrankten hoch ansteckend. Befällt das Bakterium dann weitere Organe, während Antibiotika versagen, geht die Infektion tödlich aus.