Schatzkammern, Eiskeller und 56 Säulen: Die vergessenen Spuren des alten Agsu VIDEO
Baku, 15. Oktober, AZERTAC
Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie das Leben vor Jahrhunderten in einer der größten Städte Aserbaidschans aussah? Gepflasterte Straßen, Handwerkswerkstätten, Moscheen, Badehäuser und Lebensmittellager … Unser heutiges Ziel ist die mittelalterliche Stadt Agsu in der Nähe des Dorfes Ülgüc/Ulguj/Ülgüdsch im Rayon Agsu.
Die 1735 auf Anordnung von Nadir Schah gegründete Festungsstadt diente lange Zeit als Residenz der Schirwanschahs. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Agsu zu einem der bedeutenden politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentren Aserbaidschans. Obwohl im Laufe der Zeit immer wieder um die Stadt gekämpft wurde, blühten Handel und Handwerk auf.

Wie sahen die Straßen des alten Agsu aus?
Bei archäologischen Ausgrabungen wurden gepflasterte Wege, Wohnhäuser, Wasser- und Abwasserleitungen sowie verschiedene Handwerkswerkstätten freigelegt. Die Wände der Häuser bestanden aus ungebrannten Lehmziegeln und waren mit einem speziellen Mörtel namens „Schirä“ verputzt. Dieser schützte die Gebäude vor Regen und verlieh ihnen zugleich ein ansprechendes Aussehen.
In Agsu gab es Schmiedewerkstätten, Kupferschmieden und eine Werkstatt zur Verarbeitung von Knochen. Besonders interessant ist eine dort entdeckte Färberei. Untersuchungen ergaben, dass die Farbstoffe aus der Färberröte gewonnen wurden. Aufgrund der Bedeutung des Anbaus und des Exports dieser Pflanze wird das 18. Jahrhundert mitunter auch als „Jahrhundert der Färberröte“ bezeichnet.
Eines der bemerkenswertesten Bauwerke auf dem Gelände des Schutzgebiets ist die Dschuma-Moschee. In der 576 Quadratmeter großen Moschee wurden 56 steinerne Säulenbasen und Tausende von Dachziegelfragmenten entdeckt. Diese Funde zeugen von der Entwicklung der Baukunst und Architektur im alten Agsu.

Ein weiteres interessantes Bauwerk ist ein Eiskeller mit Lagerraum aus dem 18. Jahrhundert, der sich etwa sieben Meter unter der Erde befindet. Das Gebäude diente der Lagerung von Lebensmitteln. Dort wurden auch Kupfergefäße sowie Münzhorte aus Gold und Silber gefunden.
Die archäologischen Untersuchungen auf dem Gelände begannen 1983. In den Jahren 2010 bis 2012 wurden Ausgrabungen durchgeführt. Auf dem Gelände des Staatlichen Historisch-Kulturellen Schutzgebiets „Mittelalterliche Stadt Agsu“, das am 22. Oktober 2019 gegründet wurde, sind zwölf historische Denkmäler registriert.