Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Seesterne werden zu schleimiger Masse

Baku, den 3. Mai (AZERTAG). Innerhalb kürzester Zeit hat eine rätselhafte Krankheit mindestens 20 Seesternarten an der West- und Ostküste der USA befallen. Von den Tieren übrig bleibt nicht mehr als Schleim. Die Untersuchungen zur Ursache laufen auf Hochtouren.

Die Forschung der Meeresbiologen gleicht kriminalistischer Polizeiarbeit. Immer mehr Opfer tauchen auf, aber kein Täter ist in Sicht. Eine mysteriöse Krankheit rafft vor der US-Küste unzählige Seesterne dahin - und breitet sich immer weiter aus. Waren es vergangenes Jahr nur etwa zehn betroffene Arten, gehen Forscher jetzt von mindestens 20 aus, schreiben sie im Fachmagazin „Science“.

Die Liste der ungelösten Fragen ist lang: Wo kommt die sonderbare Krankheit her? Wie wird sie übertagen? Und warum befällt sie so viele Arten? Aufgefallen ist den Forschern bereits, dass die Seesternarten in einer ganz bestimmten Reihenfolge befallen werden: Erst erkranken die Sunflower Sea Stars (Pycnopodia helianthoides), dann die Giant Pink Sea Stars (Pisaster brevispinu) und dann die Bat Stars (Asterina miniata). Erstaunlich sei auch, dass die Populationen in Washington und Kalifornien viel stärker betroffen sind, während die in Oregon fast unbeschadet bleiben.

Ermittlung per Ausschlussverfahren - „Die Krankheit taucht völlig unvorhersehbar auf“, sagt Pete Raimondi. Der Biologe von der University of California in Santa Cruz ist sowas wie der Chefermittler in Sachen Seesternsterben, das die Fachleute als „Sea Star Wasting Syndrome“ bezeichnen. Die ersten Anzeichen der Krankheit sind weiße Läsionen an den Armen der Tiere, die sich dann zur Körpermitte hin ausbreiten. Das Gewebe zersetzt sich, die Arme fallen ab. Die Tiere lösen sich regelrecht auf, nach einer Woche bleibt nur eine schleimige Masse. Schon früher war das Syndrom aufgetreten, doch nicht mit einer solchen Häufigkeit bei so vielen verschiedenen Arten.

„Es muss etwas im Wasser sein“, sagt Marta Gomez-Chiarri von der Universitity of Rhode Island in Kingston. Die Meerespathologin stellte fest, dass Seesterne in Aquarien mit Seewasser sterben, jene die in Becken mit gefiltertem Wasser gehalten werden jedoch nicht. Zudem konnten Raimondi und Kollegen über DNA-Analysen einige mögliche Krankheitserreger wie Pilze, größere Parasiten und bestimmte Einzeller als Krankheitserreger ausschließen. Jetzt suchen sie fieberhaft nach weiteren Übeltätern.

Auch der Übertragungsweg lässt Raum für Spekulationen: Vögel könnten die Erreger verbreiten, so eine Vermutung der Forscher. Sie fressen Seesterne und infizieren sie so möglicherweise. Zusätzlich könnten Meeresströmungen die Erreger im Wasser verteilen. Vielleicht stecken sich die Seesterne aber auch über infizierte Beutetiere wie Muscheln an. Das könnte erklären, warum Seesterne auch in Aquarien ohne Seewasser erkranken, in denen aber zuvor kranke Tiere gelebt hatten.

Ökosystem in Gefahr - Das Seesternsterben macht den Forschern große Sorgen. Es bedroht nicht nur die Seesterne, sondern auch das ökologische Gefüge in dem sie leben. „Diese Tiere sind von großer Bedeutung“, sagt Bruce Menge, Ökologe von der Oregon State University. „Wenn sie aussterben oder auch nur für eine bestimmte Zeit verschwinden, hätte das große Auswirkungen auf das Ökosystem.“ Seesterne zählen zu den mächtigsten Räubern der Küstenregionen und spielen damit in der Nahrungskette eine wichtige Rolle. Würden sie verschwinden, wäre das natürliche Gleichgewicht gefährdet.

Biologin Gomez-Chiarri fand außerdem heraus, dass kranke Seesterne auch Seeigel und Seegurken anstecken können. Nervös betrachten die Forscher auch Wetter und Klima. Wenn das Wasser sich erwärmt, könnte das Seesternsterben noch schlimmer werden, so ihre Befürchtung. Und für August ist ein starker „El Niño“-Effekt vorhergesagt, der das Wasser der Westküste erwärmen könnte.

Viele düstere Szenarien, kein klares Täterprofil. Kein Wunder also, dass Biologe Raimondi keine Prognose wagt. „Wir könnten am Anfang, in der Mitte oder am Ende der Krankheitswelle sein“, sagt er. „Wir wissen es nicht - und das ist sehr beunruhigend.“

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