Super-Virus soll doch nicht tödlich sein
Baku, den 6. März (AZERTAG). Kehrtwende in der Pandemie-Debatte. Virologe Ron Fouchier hat sich überraschend korrigiert. Sein im Labor erzeugter Vogelgrippe-Erreger sei zwar übertragbar - aber nicht lebensbedrohlich. Nun rätseln Forscher über die plötzlichen neuen Einsichten.
Was denn jetzt? Tödlich oder nicht? Ron Fouchier, der mit einem Forscherteam ein hochgradig gefährliches H5N1-Virus geschaffen haben will, korrigierte jetzt auf einer Tagung von Fachleuten in Washington frühere Aussagen: Der in seinem Hochsicherheitslabor am Erasmus Medical College in Rotterdam erschaffene Vogelgrippe-Erreger sei zwar ansteckend, aber nicht tödlich. In Übertragungsversuchen mit den „H5N1“-Viren sei keines von sieben in Nachbarkäfigen durch Husten oder Niesen infizierten Frettchen „schwer erkrankt oder verstorben“.
Damit relativiert der Niederländer seine früheren Angaben vom September 2011 gegenüber dem Fachmagazin „Science“, das neue H5N1-Virus wäre leicht von Mensch zu Mensch übertragbar und führe häufig zum Tod.
Seine damaligen Äußerungen auf einer Fachkonferenz in Malta riefen eine heftige Debatte unter Wissenschaftlern hervor, die bis heute anhält. Anfang Januar blockierte das US-amerikanische Gremium für Biosicherheit NSABB die Veröffentlichung von Fouchiers Studien in den Fachmagazinen „Science“ und „Nature“ - aus Angst, Terroristen könnten das von niederländischen Forschern veränderte Vogelgrippe-Virus nachbauen und als Biowaffe einsetzen.
Geheime Tagung bei der WHO: In einem offenen Brief, den die Fachmagazine „Nature“ und „Science“ Ende Januar gemeinsam veröffentlichten, kündigten die verantwortlichen Wissenschaftler an, ihre Arbeit für zunächst 60 Tage zu stoppen. Viele Forscher werteten dies als Zensur und sahen die Freiheit der Wissenschaft bedroht, Kritiker verwiesen hingegen auf die Gefahren der Grippeviren-Forschung. Neben dem Missbrauch könnte ein hochgefährlicher Erreger auch ungewollt aus den Laboren entweichen - mit ungeahnten Folgen.
Ron Fouchier, Adolfo Garcia-Sastre von der Mount Sinai School of Medicine in New York und Yoshihiro Kawaoka von der University of Wisconsin in Madison verteidigten derweil immer wieder ihre Arbeit. Sie sei von entscheidender Bedeutung für die Bemühungen, eine Veränderung des Vogelgrippevirus in der Natur rechtzeitig zu entdecken - und so möglicherweise eine verheerende weltweite Seuche zu verhindern.
Die Furcht vor ihrer Arbeit sei unbegründet, sagten die Wissenschaftler, alles sei in Übereinstimmung mit geltenden Sicherheitsbestimmungen erfolgt. Zudem habe sich das Virus im Labor zwar unter Frettchen schnell ausgebreitet. Ob das aber auch für Menschen gelte, sei unbekannt und werde aus ethischen Gründen auch nie erforscht werden können.