Syrische Flüchtlinge in der Türkei Hinter der Grenze lauert das Grauen
Baku, den 17. Juni (AZERTAG). Die Flüchtlinge berichten von Hinrichtungen, Leichen auf den Straßen, willkürlicher Gewalt: Syriens Herrscher Assad vertreibt sein eigenes Volk, Tausende haben sich über die Grenze in die Türkei gerettet. Dort werden sie nicht immer mit offenen Armen empfangen.
Als sie die Nachbarn erschossen, hat Mustafa L. es nicht mehr ausgehalten. Seine Frau war im achten Monat schwanger, kein guter Zeitpunkt, um die Sachen zu packen und nach einer neuen Bleibe in einem anderen Land, nach einer neuen Zukunft zu suchen. Viele Menschen waren schon umgebracht worden von der syrischen Armee, wahllos, grundlos. Immer wieder hatten L. und seine Frau in ihrem Dorf Zaini sich eingeredet, hierhin werde das Unglück schon nicht kommen.
„Aber dann kamen sie, in ihren Militärjeeps, sprangen raus und töteten die Nachbarn. Die ganze Familie“, sagt L. Er sitzt auf dem Fußboden, mit der linken Hand schaukelt er die Wiege, in der seine zwei Monate alte Tochter liegt, in der rechten hält er eine Zigarette. Er rauche viel in diesen Tagen, sagt er. „Nervosität“, erklärt er.
Vergangene Woche war L. wieder in Syrien. Er ging so heimlich zurück in seine Heimat, wie er in die Türkei gekommen war. „Ich wollte nach meinen Eltern sehen und nach meinen Geschwistern, denn wir hörten im Radio, dass die Armee auf Dschisir al-Schughur schießt. „Dort sollten sich desertierte Soldaten verschanzt haben, die sich gegen das Regime von Baschar al-Assad gewendet hatten. Am Sonntag kam es nach Angaben von Flüchtlingen zu heftigen Gefechten, am Ende brachte die Armee die Stadt wieder unter ihre Kontrolle. L. sagt, er sei am Montag zurück in die Türkei geflohen. „Ich habe Leichen gesehen, die ganz aufgebläht waren durch die Hitze. Die Soldaten haben auf alles geschossen, was sich bewegte: Menschen und Tiere, Erwachsene und Kinder. Auf alles“.