Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Warum China europäische Staatsanleihen verschmäht

Baku, den 7. Dezember (AZERTAG). Europa setzt bei der Euro-Rettung große Hoffnungen in China - doch die Volksrepublik interessiert sich kaum für Staatsanleihen der Sorgenstaaten. Die Regierung in Peking hat offenbar andere Pläne: Sie will mehr Macht bei europäischen Firmen.

Die Euro-Strategen wähnten sich bis vor wenigen Tagen fast am Ziel: Um Europa zu retten, so der Plan der Staats- und Regierungschefs, sollte die finanzielle Feuerkraft des Schutzschirms EFSF vervielfacht werden - und das ohne weiteres Geld der Euro-Länder. Der Trick dahinter: Private Investoren und Staaten sollten gelockt werden, Anleihen der Euro-Länder zu kaufen. Dafür sollte ein Teil des Geldes versichert werden. Ihre größten Hoffnungen setzten die Europäer dabei in die Chinesen.

Sein Komitee berät Chinas Regime maßgeblich in Wirtschaftsfragen. „Aber wir wollen dieses Geld nicht wie bei einer Bluttransfusion einfach an Europa übertragen. Wir wollen stattdessen in Zukunft hier selbst welches erzeugen, durch Investitionen.“

Was das konkret heißt, das erzählen einem Regierungsberater und Wirtschaftsprofessoren in Peking mittlerweile nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand, sondern ganz offen beim Cappuccino im Pekinger Botschaftsviertel: Weg von Staatsanleihen aller Art, hin zum direkten Kauf und Bau von Firmen und Infrastruktur in Europa. „Die vorsichtige Herangehensweise, Investitionen in Europa eher indirekt und unbemerkt über Partner zu tätigen, ist spätestens seit Anfang 2011 vorbei“, erklärt ein Regierungsberater. Die Chinesen wollten mehr Direkt-Investment.

Ein Paradigmenwechsel, der für die Euro-Retter zu einem katastrophalen Zeitpunkt kommt: In Bulgarien wird noch in diesem Jahr eine chinesische Auto-Fabrik eröffnet, die 50.000 Autos im Jahr auf den europäischen Markt bringen soll. Ungarn hat Premiere Wen Jiabao persönlich erst im Juni 400 Millionen Euro versprochen, unter anderem für den Bau eines Flughafens als Logistik-Stützpunkt für die Vertriebswege chinesischer Waren in Europa. Auch eine große Chemie-Fabrik wollen die Chinesen in Ungarn noch in diesem Jahr bauen, und das Eisenbahnnetz wollen sie modernisieren.

Einen möglichst großen Teil dieser Billionen wollten eigentlich die Euro-Staaten haben, für ihren Rettungsschirm. Eine Investition in Millionenhöhe aus China für den EFSF wurde immer als eine sichere Sache kolportiert, und war fest eingeplant. Aber Ende November kündigte Lou Jiwei, der Chef des mächtigen Staatsfonds, erstmals in einer westlichen Zeitung an, man wolle gerne auch in Großbritannien helfen, die Infrastruktur auszubauen. „Die Infrastruktur in Europa und den USA benötigt dringend Investitionen“, sagte er der Financial Times. Chinesische Unternehmen müssten „in solche Projekte auch investieren, sie entwickeln und betreiben“.

 

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