WHO geht jetzt von mindestens 130 Ebola-Toten aus
Baku, 19. Mai, AZERTAC
Die Weltgesundheitsorganisation WHO zeigt sich zunehmend besorgt wegen der raschen Ausbreitung der Ebola-Infektionen im Nordosten des Kongos. Seit Beginn des neuen Ausbruchs gebe es mindestens 500 Verdachtsfälle und 130 mutmaßliche Todesfälle, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Hinzu kämen 30 bestätigte Infektionen in der Provinz Ituri. Zudem gebe es in der ugandischen Hauptstadt Kampala eine bestätigte Erkrankung sowie einen Todesfall. Adhanom Ghebreyesus äußerte sich “sehr besorgt” über das ”Ausmaß und die Geschwindigkeit” der Ebola-Ausbreitung.
Die WHO hat wegen des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Auslöser ist die seltene Virusvariante Bundibugyo. Die Ausbreitungsgefahr für die gesamte Region gilt als hoch. Der Ausbruch begann nach Angaben der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC vermutlich in der dritten Aprilwoche, wurde aber erst Anfang Mai gemeldet.
Am Nachmittag soll der WHO-Notfallausschuss zu Ebola tagen, wie Adhanom Ghebreyesus in Genf weiter sagte. Die mit der Krankheit vertrauten unabhängigen Expertinnen und Experten wollen demnach Empfehlungen ausarbeiten, wie mit dem Ausbruch umgegangen werden soll.
Ein mit dem Ebolavirus infizierter US-Amerikaner soll derweil in Deutschland versorgt werden. Die US-Behörden hätten die Bundesregierung um Hilfe bei der Behandlung eines US-Staatsbürgers gebeten, der sich im Kongo mit Ebola infiziert habe, teilte das Gesundheitsministerium in Berlin mit. Derzeit werden Vorkehrungen getroffen, ihn in Deutschland aufzunehmen und behandeln zu können. Nähere Angaben wurden vorerst nicht gemacht.
Die US-Gesundheitsbehörde CDC teilte mit, der Infizierte habe in der Demokratischen Republik Kongo gearbeitet und sei am Wochenende positiv getestet worden. Wegen der kürzeren Flugzeiten und der Erfahrungen bei der Versorgung von Ebola-Patienten werde er nach Deutschland verlegt. US-Medien zufolge soll es sich bei dem Infizierten um einen Arzt handeln. Eine christliche Missionsorganisation teilte mit, dass sich ein US-amerikanischer Mediziner bei der Behandlung von Patienten in einem Krankenhaus im Kongo infiziert habe.
Auch sechs Kontaktpersonen mit hohem Ansteckungsrisiko sollen nach Deutschland verlegt werden. Zu ihrer Nationalität wurden keine Angaben gemacht.
Gesundheitsbehörde ruft Notstand aus
Die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union (CDC) hat für den gesamten afrikanischen Kontinent den Notstand ausgerufen. In einer am späten Montagabend veröffentlichten Erklärung begründete die Behörde den Schritt zudem unter anderem mit dem “hohen Risiko einer regionalen Ausbreitung”. Das Risiko bestehe unter anderem wegen des “intensiven grenzüberschreitenden Personenverkehrs” und der “Mobilität im Zusammenhang mit Bergbauaktivitäten.”
Dieser Ausbruch ereigne sich “in einem der komplexesten Einsatzgebiete des Kontinents”, erklärte der Chef der afrikanischen CDC, Jean Kaseya. Die betroffene Region sei geprägt “durch Unsicherheit, Bevölkerungsbewegungen, fragile Gesundheitssysteme und die begrenzte Verfügbarkeit medizinischer Gegenmaßnahmen”.