Wieso Antibiotika uns in die Krise treiben
Baku, den 24. September (AZERTAG). Menschen und Tiere bekommen zu oft Antibiotika. Deshalb können Bakterien zu Killerkeimen werden. Durch schärfere Überwachung will Verbraucherschutzministerin Aigner das Problem lösen.
Sie sind ein Segen für die Menschheit: Antibiotika. Seit ihrer Entdeckung vor gut 100 Jahren haben diese Medikamente vielen Infektionskrankheiten ihren Schrecken geraubt. Sie töten Bakterien, die uns Menschen und Tiere krank machen. Ohne Antibiotika stünde es also nicht nur um unsere Lebensqualität und Lebenserwartung wesentlich schlechter, sondern wir könnten auch nicht jeden Tag Fleisch essen. Intensive Tierhaltung wäre unmöglich.
Und dennoch sind Antibiotika auch ein Fluch. Denn die Medikamente werden heutzutage viel zu häufig eingesetzt, und sie töten nicht nur Bakterien, sondern fördern auch Resistenzen bei den Krankheitserregern. Ihnen haben Mediziner kaum noch etwas entgegensetzen können. Skandale, bei denen ein „resistenter Killerkeim“ unbemerkt in ein Krankenhaus eingeschleppt wurde, sind fast schon Alltag.
Menschen werden deshalb schwer krank oder sterben sogar, in Kliniken müssen ganze Abteilungen geschlossen werden. Vonseiten der Arzneimittelhersteller kommt kaum Hilfe: Im Kampf Bakterien gegen Pharmaindustrie scheinen die Keime überlegen zu sein. Ihre Evolution läuft schneller als die Entwicklung von Waffen gegen sie.
1734 Tonnen Antibiotika gehen in die Ställe-Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, hat Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner in der vergangenen Woche einen Plan vorgestellt: Unter anderem soll es ab 2013 eine Datenbank der Länder geben, die den Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung erfasst und kontrolliert.
Tierärzte sollen hier eintragen, an welchen landwirtschaftlichen Betrieb sie wann wie viele Antibiotika abgegeben haben. Fällt ein Hof durch zu viele Verordnungen auf, so soll er überprüft werden. Insgesamt sind im Jahr 2011 rund 1734 Tonnen Antibiotika von pharmazeutischen an Tierärzte in Deutschland abgegeben worden. 40-mal mehr als in deutschen Kliniken, kritisieren BUND und Ökologischer Ärztebund.
Dass die neuen Pläne in die richtige Richtung gehen, belegen Studien. Denn die resistenten Bakterien entstehen, weil es in unserem Körper, in dem von Tieren und in der Umwelt viel zu viele Antibiotika gibt. Eine Studie aus dem Jahr 2011 von Dan Andersson von der Universität Uppsala hatte gezeigt, dass die Wirkstoffe in großer Menge freigesetzt werden.