Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Apple-Chef Cook lullt US-Senatoren ein

Baku, den 22. Mai (AZERTAG). Der Tech-Konzern Apple hat mit cleverer Buchhaltung Steuern in Milliardenhöhe gespart, nun musste sich Vorstandschef Cook vor dem US-Senat verantworten. Doch mit seiner Mission Süßholz gelang es ihm, selbst kritische Senatoren um den Finger zu wickeln. Widerspruch? Zwecklos.

Senator John McCain freut sich, dass Apple-Vorstandschef Tim Cook gerade vor ihm sitzt. Denn eine Frage brennt dem 76-jährigen US-Republikaner dieser Tage ganz besonders auf den Nägeln: „Warum muss ich die Apps auf meinem iPhone dauernd aktualisieren?“

Wissendes Gelächter füllt den Sitzungssaal 106. Denn natürlich sind McCains private Technikprobleme keineswegs der Grund, weshalb der Ermittlungsunterausschuss den Boss eines der erfolgreichsten US-Konzerne am Dienstag unter Eid gestellt hat. Aber wo Cook schon mal da ist - die Gelegenheit bietet sich wirklich an.

So ist der gesamte Tenor dieser Sitzung. Eigentlich soll es dabei um Apples Steuertricks gehen, die der Ausschuss in einem detaillierten Bericht angeprangert hat. Doch Cook, dem bisher eher ein Mangel an Charisma nachhing, schafft es mit Charme und Chuzpe, das Sünderbänkchen, auf dem er sich plötzlich wiederfindet, zur Werbeplattform zu machen.

Immer wieder erinnert er in seiner Aussage an die Hits seines Hauses: iPhone, iPad, iPod, Mac. „Wir sind stolz darauf, ein amerikanisches Unternehmen zu sein“, postuliert er gleich mehrmals: „Wir haben nur eine Mission - die allerbesten Produkte der Welt herzustellen.“

Die Senatoren, eigentlich auf Angriff gepolt, lassen sich prompt um den Finger wickeln. „Ich liebe Apple“, gurrt die Demokratin Claire McCaskill, „ich bin Apple.“ Ihre Republikaner-Kollegin Kelly Ayotte begrüßt Cook derweil so: „Nett, Sie kennenzulernen. Ich habe ein iPad.“

Apple bestätigt Enthüllungen des Ausschusses - Es ist erstaunlich, wie schnell sich die Stimmung wendet, von einer Verteufelung Apples als Steuerflüchtling hin zur kollektiven Verbeugung vor dem kalifornischen Konzern. Andererseits wenig überraschend: Kaum ein Unternehmen wird so gerne angefeindet wie Apple - und ist doch so unverzichtbar. Und genau das offenbart sich nun auch im Senat.

Cook spricht deutlich und langsam, als seien die Senatoren kleine Kinder, denen er die Welt erklärt. Allein in den USA, sagt er, habe Apple Hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen, habe dieses Jahr bereits 100 Millionen Dollar investiert und sei der fleißigste Steuerzahler überhaupt, mit sechs Milliarden Dollar im Jahr 2012, bei einem Steuersatz von zuletzt 30,5 Prozent.

Die Enthüllungen des Ausschusses fallen dabei schnell unter den Tisch. Ja, Apple hat zweistellige Milliardensummen bei drei Tochterfirmen in Irland geparkt. Ja, der Konzern hat darauf in den vergangenen fünf Jahren weder in den USA noch in Irland Steuern gezahlt oder höchstens zwei Prozent. Und ja, das ging alles strikt nach den Buchstaben des Gesetzes zu.

Zwar versucht der Ausschussvorsitzende, der demokratische Senator Carl Levin, ab und zu doch, Cook und seine Kollegen - Finanzchef Peter Oppenheimer und Steuerchef Phillip Bullock - auf ein moralisches Fehlverhalten festzunageln: Irland sei eine „Steueroase“, und Apple betreibe fiskalische „Alchemie“. Doch da haben die meisten längst abgeschaltet, um wieder auf ihren iPads herumzuspielen.

Senatoren sind handzahme Apple-Jünger - Dabei war die politische Empörung fast programmiert. Rund 74 Milliarden Dollar steuerpflichtige Einnahmen hat Apple in den vergangenen fünf Jahren nach Irland ausgelagert, so der Ausschuss in seinem vorab lancierten Bericht - über drei irische Tochterfirmen, die fast gar keine Steuern zahlen. Legal? Ja. Fair? Das ist die Frage.

„Ich bin nicht unfair“, beharrt Cook. „Wir zahlen alle Steuern, die wir schulden, jeden Dollar.“ Und: „Wir stützen uns nicht auf Steuertricks.“ Und dann, er kann es sich wohl nicht verkneifen: „Wir bunkern kein Bargeld auf irgendeiner karibischen Insel.“ Natürlich nicht, Irland ist schließlich eine Insel im Nordatlantik.

Will heißen: Alles, was wir tun, ist korrekt - wenn wir es anders tun sollen, müssen Sie die Gesetze ändern. „Leider hat das Steuerrecht nicht mit dem digitalen Zeitalter mitgehalten“, sagt Cook. Unter jetzigen Regeln sei es einfach zu teuer, den Auslandsumsatz zurückzuführen. „Wir empfehlen eine dramatische Vereinfachung des Körperschaftssteuerrechts.“

Cook dürfte aber gut wissen, dass der jetzige, hoffnungslos zerstrittene Kongress sich auf ein solches Mega-Unterfangen kaum wird einigen können.

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