Aserbaidschan und Usbekistan vertiefen ihre strategische Partnerschaft
Baku, 23. August, AZERTAC
Die Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Usbekistan haben sich in den vergangenen Jahren zu einer umfassenden strategischen Partnerschaft entwickelt. Gemeinsame historische, kulturelle und sprachliche Wurzeln bilden dabei die Grundlage für eine enge politische Zusammenarbeit, die zunehmend durch wirtschaftliche, verkehrstechnische, energetische und humanitäre Projekte ergänzt wird.
Die Beziehungen beider Länder beruhen auf engen freundschaftlichen und brüderlichen Verbindungen. Eine wichtige Grundlage für ihre heutige Entwicklung wurde bereits durch den Nationlleader des aserbaidschanischen Volkes Heydar Aliyev gelegt. Sein Staatsbesuch in Usbekistan im Juni 1997 trug wesentlich zur Festlegung der langfristigen Perspektiven der bilateralen Zusammenarbeit bei.
In den vergangenen Jahren haben die Kontakte zwischen Baku und Taschkent deutlich an Dynamik gewonnen. Das hohe politische Vertrauen zwischen Präsident Ilham Aliyev und dem usbekischen Präsidenten Schawkat Mirsijojew sowie regelmäßige gegenseitige Besuche haben maßgeblich dazu beigetragen. Allein in den vergangenen fünf Jahren stattete Präsident Ilham Aliyev Usbekistan zwei Staats- und vier Arbeitsbesuche ab. Präsident Schawkat Mirsijojew besuchte Aserbaidschan im selben Zeitraum zu zwei Staats- und sieben Arbeitsbesuchen.
Einen wichtigen Wendepunkt stellte der Vertrag über die Verbündetenbeziehungen zwischen der Republik Aserbaidschan und der Republik Usbekistan dar, der am 23. August 2024 in Taschkent unterzeichnet wurde. Am selben Tag fand die erste Sitzung des Obersten Zwischenstaatlichen Rates statt. Damit erhielten die Beziehungen zwischen beiden Staaten eine neue institutionelle Grundlage.
Die Zusammenarbeit beschränkt sich inzwischen nicht mehr auf politische Kontakte. Sie erstreckt sich auf Handel, Investitionen, Industrie, Verkehr, Energie, Kultur und humanitäre Projekte. Die Aufnahme Aserbaidschans als vollwertiger Teilnehmer in das „C5“-Format beim siebten Konsultationstreffen der Staatschefs Zentralasiens im November 2025 in Taschkent verlieh den Beziehungen zudem eine größere regionale Dimension.

Brücke zwischen Zentralasien und dem Südkaukasus
Die strategische Bedeutung der Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Usbekistan geht über die bilaterale Ebene hinaus. Aserbaidschan entwickelt sich zu einem wichtigen Verkehrs- und Logistikknotenpunkt im Südkaukasus, während Usbekistan eine zentrale Position in Zentralasien einnimmt. Ihre engere Zusammenarbeit trägt damit zur Herausbildung neuer politischer, wirtschaftlicher und verkehrstechnischer Verbindungen zwischen beiden Regionen bei.
Besondere Bedeutung kommt dabei dem Mittleren Korridor zu. Über diese Verkehrsroute werden die Produktions- und Exportkapazitäten Zentralasiens über das Kaspische Meer mit dem Südkaukasus, der Türkei und den europäischen Märkten verbunden. Die Hafen-, Bahn-, Straßen-, Luftfahrt- und Logistikinfrastruktur Aserbaidschans ergänzt dabei die Produktions- und Exportmöglichkeiten Usbekistans.
Auch die Entwicklung der Eisenbahnstrecke China–Kirgisistan–Usbekistan eröffnet neue Perspektiven für die Anbindung Zentralasiens an internationale Märkte. Ein 2022 unterzeichnetes Abkommen über den internationalen Straßenverkehr zwischen Aserbaidschan und Usbekistan trägt ebenfalls zur Ausweitung des Gütertransports zwischen beiden Ländern bei.
Ausbau von Handel, Investitionen und Industriekooperation
Die wirtschaftlichen Beziehungen entwickeln sich zunehmend von klassischen Handelsbeziehungen hin zu gemeinsamer Produktion und Investitionsprojekten. Beide Seiten haben sich zum Ziel gesetzt, den bilateralen Handelsumsatz bis 2030 auf eine Milliarde US-Dollar zu steigern.
Ein wichtiges Instrument der Investitionszusammenarbeit ist die Aserbaidschanisch-usbekische Investitionsgesellschaft, die 2023 gegründet wurde und über ein Stammkapital von 500 Millionen US-Dollar verfügt.
Erfolgreiche Beispiele für die industrielle Kooperation gibt es insbesondere in der Automobilbranche. Im Industriepark Hacıqabul wurden im Rahmen der Zusammenarbeit aserbaidschanischer und usbekischer Unternehmen bereits 10.720 Chevrolet-Fahrzeuge produziert. Darüber hinaus entstanden gemeinsam mit dem usbekischen Unternehmen „SamAvto“ 275 ISUZU-Busse.
Von der traditionellen Energiekooperation zur grünen Energie
Auch der Energiesektor gehört zu den wichtigsten Bereichen der bilateralen Zusammenarbeit. Seit 2016 arbeitet das gemeinsame Unternehmen „Neftegaztexnologiya“, das auf Grundlage des usbekischen Instituts „O'ZLITINEFTGAZ“ und des aserbaidschanischen Unternehmens „SOCAR NIPI Neftegas“ gegründet wurde, erfolgreich in der Öl- und Gasbranche.
Gleichzeitig richtet sich die Energiepartnerschaft zunehmend auf erneuerbare Energien und regionale Energiesysteme. Im Rahmen der COP29 wurde am 13. November 2024 zwischen Aserbaidschan, Kasachstan und Usbekistan ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft zur Entwicklung und Übertragung grüner Energie unterzeichnet.
Damit soll unter anderem die Übertragung erneuerbarer Energie aus Zentralasien über das Kaspische und das Schwarze Meer nach Europa ermöglicht werden. Das Projekt könnte sowohl zur Energiewende als auch zur Stärkung der Energiesicherheit und zur Schaffung neuer geoökonomischer Verbindungen beitragen.
Auch im traditionellen Energiesektor wird die Zusammenarbeit ausgebaut. Die Kooperation zwischen SOCAR und dem usbekischen Unternehmen „Uzbekneftegaz“ eröffnet neue Möglichkeiten für eine engere Partnerschaft der Energieunternehmen beider Länder.
Gemeinsames historisches und kulturelles Erbe
Die engen Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Usbekistan beruhen nicht zuletzt auf einem gemeinsamen türkischen Kulturraum sowie ähnlichen sprachlichen, religiösen und kulturellen Traditionen. Baku und Samarkand waren über Jahrhunderte wichtige Zentren von Handel, Wissenschaft und kulturellem Austausch entlang der Seidenstraße.
Die Werke des aserbaidschanischen Dichters Nizami Gandschawi und des usbekischen Dichters Alischer Nawoi gelten als herausragende Beispiele der gemeinsamen literarischen Tradition. Auch historische Persönlichkeiten und Denkmäler zeugen von den jahrhundertelangen Verbindungen zwischen beiden Regionen.
Die diplomatischen Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Usbekistan wurden 1995 aufgenommen. Mit der Unterzeichnung der Erklärung über die strategische Partnerschaft im Jahr 2004 wurde eine neue Etappe der bilateralen Beziehungen eingeleitet.
In den vergangenen Jahren wurden zudem Kultur- und Wissenschaftstage beider Länder veranstaltet. In Usbekistan fanden unter anderem Aserbaidschanische Kulturtage und „Schuscha-Tage“ in Chiwa statt. In Taschkent erinnert der Heydar-Aliyev-Platz an die engen Beziehungen zwischen beiden Staaten.

Ausdruck brüderlicher Beziehungen
Die Unterstützung Usbekistans beim Wiederaufbau der von der Besatzung befreiten Gebiete Aserbaidschans gilt als ein weiteres sichtbares Zeichen der engen Beziehungen. Im Jahr 2023 wurde in Füzuli eine nach Mirsa Ulugbek benannte weiterführende Schule mit 960 Plätzen eröffnet, die Usbekistan Aserbaidschan schenkte.
Auch die Einrichtung eines „Usbekistan“-Parks in Baku unterstreicht die Verbundenheit beider Völker. Darüber hinaus werden die Kontakte zwischen Bildungseinrichtungen, Nichtregierungsorganisationen und Medien beider Länder intensiviert.
2024 fand in Taschkent das erste Usbekisch-Aserbaidschanische Medienforum statt, 2025 folgte das zweite Medienforum in Baku. Auch die Zusammenarbeit zwischen Nichtregierungsorganisationen wurde durch gemeinsame Foren und erstmals 2026 durch einen gemeinsamen Förderwettbewerb weiter ausgebaut.
Zahlreiche Städte und Regionen beider Länder haben inzwischen Städtepartnerschaften geschlossen. Dazu gehören unter anderem Baku und Taschkent, Ismayilli und Rischtan, Schuscha und Chiwa, Länkäran und Buchara, Scheki und Kokand sowie Mingatschewir und Namangan. Weitere Partnerschaften zwischen Urgentsch und Nachtschiwan, Urgentsch und Khankendi sowie Buchara und Latschin sind ebenfalls vorgesehen.
Zwei wichtige Säulen einer neuen regionalen Ordnung
Die heutige Qualität der Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Usbekistan reicht damit weit über die bilaterale Ebene hinaus. Aserbaidschan und Usbekistan nehmen als wichtige politische und wirtschaftliche Zentren des Südkaukasus beziehungsweise Zentralasiens eine zunehmend bedeutende Rolle ein.
Die strategische Annäherung beider Staaten stärkt politische, wirtschaftliche und verkehrstechnische Verbindungen zwischen den beiden Regionen. Der Ausbau des Mittleren Korridors, die Zusammenarbeit im Energiebereich, gemeinsame Industrie- und Investitionsprojekte sowie die kulturellen und humanitären Kontakte schaffen dabei eine immer engere Verbindung zwischen Zentralasien und dem Südkaukasus.
Der bevorstehende Staatsbesuch von Präsident Ilham Aliyev in Usbekistan dürfte dieser Entwicklung zusätzliche Impulse verleihen. Die geplante Unterzeichnung weiterer Vereinbarungen soll die Verbündetenbeziehungen weiter festigen und die Zusammenarbeit in zahlreichen Bereichen ausbauen.
Damit entwickelt sich die Achse Baku–Taschkent zunehmend zu einem wichtigen Element der neuen politischen und geoökonomischen Architektur zwischen Zentralasien und dem Südkaukasus.