Babyboom mit Allahs Hilfe
Baku, den 1. August (AZERTAG). In kaum einem Land wächst die Bevölkerung so schnell wie in Pakistan - sie wird schon bald die viertgrößte der Welt sein. Das bringt zahlreiche Probleme mit sich, doch Geburtenkontrolle ist verpönt: Kinder bedeuten Ansehen, sind die beste Altersvorsorge und gelten als Geschenk Gottes.
Mohammed und Tahira Asif sind beide erst 28 Jahre alt - und haben schon sechs Kinder. Die ersten drei sind Mädchen, das Älteste zehn Jahre alt, dann zwei Jungen, jetzt wieder ein Mädchen. Ein weiteres Kind starb an einer Lungenentzündung. Die Eltern sind stolz auf ihre große Familie, auch wenn Mohammed als Angestellter in einem Lebensmittelgeschäft am Rand von Charsadda, einer Stadt in Nordwestpakistan, kaum genug verdient, um sie zu ernähren.
Verhütung kommt für die beiden nicht in Frage. „Wir werden sicher noch weitere Kinder bekommen, so Gott will“, sagt er. Seine Frau lächelt verlegen.
Pakistans Bevölkerung wächst so schnell wie kaum ein anderes Volk. Derzeit weist die „Bevölkerungsuhr“ der Regierung fast 177 Millionen Einwohner aus. Der Statistik zufolge bekommt jede Frau im Durchschnitt knapp vier Kinder. Hält dieses Wachstum an, wird Pakistan, heute auf Platz sechs der bevölkerungsreichsten Länder der Welt, bis Mitte des Jahrhunderts auf Platz vier liegen, hinter den flächenmäßig viel größeren Staaten Indien, China und USA.
Vielleicht geht es sogar noch schneller: Die Beamten staunten nicht schlecht, als sie in den vergangenen zwölf Monaten durchs Land reisten, um die Schäden der Flutkatastrophe von 2010 auch in entlegenen Regionen zu begutachten. „Dort hatten viel mehr Familien als angenommen zwölf und mehr Kinder“, sagt Qadeer Baig von der niederländischen World Population Foundation (WPF). Seither gebe es Überlegungen, die offizielle Bevölkerungszahl um rund 25 Millionen auf dann gut 200 Millionen zu korrigieren.