Berühmteste Klima-Messstation der Welt von Schließung bedroht
Baku, 19. Juli, AZERTAC
Das Mauna Loa Observatorium auf Hawaii , bekannt für die Messung von Treibhausgasen und die berühmte Keeling-Kurve, steht vor dem Aus. US-Präsident Donald Trumps Haushaltsentwurf für 2026 sieht die Schließung der Station sowie drei weiterer Standorte vor, die seit Jahrzehnten Messdaten zur Atmosphäre liefern.
Die Forschungsstation Mauna Loa liegt auf dem gleichnamigen Vulkan in Hawaii auf 3.350 Meter Höhe. Weil die Luft an dieser Stelle so frei von menschlichen Einflüssen ist wie nur an wenigen Orten der Welt, ließ Charles David Keeling vor mehr als 60 Jahren dort seine CO₂-Messstation errichten. Im Jahr 1958 begannen die Messungen, die einen stetigen Anstieg des CO2-Gehalts dokumentierten. Daraus entstand die Keeling-Kurve, die den kontinuierlichen Anstieg von Kohlendioxid in der Atmosphäre zeigt und bis heute ein zentrales Werkzeug der Klimaforschung ist.
Neben dem Mauna Loa Observatory wären auch Stationen in Alaska, Amerikanisch-Samoa und am Südpol betroffen. Diese bilden ein globales Netzwerk, das Forschenden hilft, Klimaveränderungen zu analysieren, extreme Wetterereignisse vorherzusagen und die Wirksamkeit klimapolitischer Entscheidungen zu bewerten.
Forschungsdaten von “unschätzbarem Wert” - Führende Wissenschaftler, darunter Rick Spinrad, der während der Biden-Regierung Leiter der US-Klimabehörde NOAA war, kritisieren die Entscheidung scharf. Die konsequente und ununterbrochene Erfassung dieser Klimadaten sei entscheidend. “Es ist nicht anders als bei einem Arztbesuch”, sagte er der “New York Times”. “Man geht regelmäßig hin, lässt sein Blut untersuchen, und wenn es Veränderungen gibt, kann man sie frühzeitig erkennen.” Laut ihm würde man bei einer Schließung der Stationen das Verständnis dafür verlieren, wie und wie schnell sich das Klima verändert. Auch wenn es viele andere Messstationen und Methoden in vielen Ländern gebe, seien die Zeitreihen der Observatorien wie Mauna Loa von unschätzbarem Wert, wie AZERTAC unter Berufung auf Spiegel berichtete.
Auch Ralph Keeling, Sohn des Begründers der Keeling-Kurve, warnte vor der Streichung der Klima-Forschungsprogramme. Zwar gebe es bereits andere derartige Netzwerke zu Luftprobenentnahmen, doch diese erreichten nicht die Reichweite des NOAA-Netzwerks. Lisa Graumlich, emeritierte Klimaforscherin an der University of Washington und ehemalige Präsidentin der American Geophysical Union, zeigte sich ebenfalls entsetzt: “Warum sollten wir diese Fähigkeit für relativ geringe Kosten aufgeben wollen?”
Im Jahr 1958, als die Keeling-Kurve begann, lag die CO₂-Konzentration in der Erdatmosphäre bei 313 ppm (parts per million – Teilchen CO₂ pro Millionen Teilchen). Im Jahr 2024 war sie auf 424,61 ppm gestiegen, in diesem Jahr überstieg der monatliche durchschnittliche CO₂-Gehalt am Mauna Loa erstmals die Marke von 430 ppm.
Die geplanten Kürzungen decken sich mit der Haltung der Trump-Regierung zum Klimawandel und könnten die globale Führungsrolle der USA in der Klimaforschung gefährden.