Chinas Internet-Gigant drängt an die Weltspitze
Baku, den 24. April (AZERTAG). Der IT-Konzern Alibaba ist eBay, Amazon und Paypal zugleich. Die Firma hat das Potential, Chinas Gesellschaft zu verändern - und bereitet nun offenbar ihren Börsengang vor. Es könnte der größte in der Geschichte des Internets werden.
In der Konzernzentrale von Alibaba gibt es einen Raum wie aus einem James-Bond-Film. Ein überlebensgroßer Monitor hängt dort, mit einer animierten Weltkarte. Sie zeigt die Warenströme, die über Chinas größten E-Commerce-Konzern abgewickelt werden. Städte blinken darauf in schneller Abfolge. Peking, Rio, Riad, Paris, Berlin... Man kann sich Jack Ma vorstellen, den Noch-Boss von Alibaba, wie er in diesem Raum steht und auf sein globales Handelsimperium blickt. Ma, ehemals Englischlehrer, hatte die Firma 1999 gegründet. Schon damals erzählte er jedem greifbaren Zuhörer seine Vision vom Weltkonzern. Er sollte Recht behalten.
Im vergangenen Geschäftsjahr wurden Waren im Wert von knapp 136 Milliarden Euro über Alibabas Plattformen verkauft, mehr als über Amazon und eBay zusammen. Nun gibt es Hinweise, dass Chinas IT-Riese an die Börse strebt. Und erste Börsenbullen, die sagen: Das wird größer als Facebook.
Offiziell ist noch nichts bei Alibaba. Doch es gibt Umwälzungen im Unternehmen, die Beobachter als Vorbereitungen für den Gang aufs Parkett werten: Am 10. Mai tritt Ma, 48, als Unternehmenschef zurück, bleibt aber als Top-Manager an Bord. Das operative Geschäft leitet künftig sein Vertrauter Jonathan Lu. Dazu ordnet Alibaba seine inzwischen gut zwei Dutzend Geschäftsbereiche neu.
Auch Ma selbst schürt wohldosiert die Erwartungen an einen Börsengang. Mitte März schnitt er das Thema ungefragt auf einer Investorenkonferenz in Hongkong an. Ungefähr zur gleichen Zeit gewährte das sonst eher verschlossene Unternehmen dem britischen Magazin „Economist“ umfassenden Zugang in sein Reich. „Wir sind bereit“, sagt Ma in der Geschichte.
Schätzungen bis 128 Milliarden Dollar - Das sind erste Bemühungen, einen Hype zu kreieren. All jene, die später daran verdienen, versuchen das öffentliche Interesse an dem Börsengang zu steigern - und den Startpreis der Alibaba-Aktien in die Höhe zu treiben. Offenbar mit Erfolg. Bereits jetzt belaufen sich die Schätzungen über das Volumen des Börsengangs auf bis zu 128 Milliarden Dollar. Laut dem Wirtschaftsmagazin „Forbes“ ist der Börsengang erst für die zweite Jahreshälfte geplant. Bis dahin dürften die Prognosen noch steigern.
„Alibaba wird an der Börse rasch mehr wert sein als Facebook“, prophezeit Bill Bishop, ein Technologieexperte mit Sitz in Peking. Der Börsengang des sozialen Netzwerks spielte seinerzeit 104 Milliarden Dollar ein. Derzeit ist Facebook rund 62 Milliarden Dollar wert. Amazon kommt auf gut 120 Milliarden Dollar, Ebay auf 67 Milliarden.
In China zählt Alibaba längst zu den Giganten. 24.000 Menschen arbeiten für das Unternehmen, das im vergangenen Geschäftsjahr 4,1 Milliarden Dollar Umsatz und rund eine halbe Milliarde Dollar Gewinn machte. Durch den möglichen Börsengang wird Alibaba nun auch im Westen bekannt - als Symbol für Chinas Aufstieg.