Chinas Propaganda stolpert über Twitter-Panne
Baku, den 3. April (AZERTAG). Chinas Staatsmedien haben Apple wegen angeblich mieser Serviceleistungen in die Mangel genommen. Ein verdächtiger Tweet eines Prominenten zeigt nun, dass die Aktion offenbar orchestriert war.
Apple gibt dem Druck der chinesischen Staatsmedien nach. Konzernchef Tim Cook hat ein Entschuldigungsschreiben unterschrieben, dass die Kalifornier am Montag auf ihrer chinesischen Webseite veröffentlichten. Darin verspricht Cook künftig besseren Service für die chinesischen Kunden, etwa um ein Jahr verlängerte Garantiezeiten für das iPhone.
Chinas Staatsmedien waren in den vergangenen Wochen in einer offenbar orchestrierten Kampagne gegen Apple vorgegangen: Erst hatte das Staatsfernsehen CCTV einen Bericht über mangelnden Service und Qualitätsprobleme bei Apple veröffentlicht, dann hatte die Volkszeitung - zentrales Propagandaorgan der kommunistischen Partei - dem Konzern in einem Meinungsstück auf der ersten Seite „unvergleichliche Arroganz“ vorgeworfen, da er auf Journalistenanfragen angeblich nur mit Textbausteinen geantwortet hätte.
Ein Vertreter von Chinas Verbraucherschutz-Aufsicht kündigte in der Zeitung an, man werde Apple und ähnliche westliche IT-Unternehmen künftig enger beaufsichtigen. Parallel dazu tobte ein Shitstorm durch Chinas populärsten sozialen Mikronachrichtendienst Weibo.
Apple hat die Nachricht der chinesischen Politführung verstanden. Eine Entschuldigung des Chefs erschien als einzige Möglichkeit, das drohende PR-Debakel im wichtigsten Wachstumsmarkt zu vermeiden. So schrieb Cook, mangelhafte Kommunikation habe den Eindruck erweckt, Apple würde sich nicht um seine Kunden kümmern.
Dafür wolle Apple sich „aufrichtig entschuldigen“. Auch kündigte Cook konkrete Verbesserungen beim Service an: Mitarbeiter sollen künftig besser geschult werden, die Kunden im Garantiefall neue Geräte bekommen.
Abgesprochene Kampagne - Wie sehr die Medienkampagne vorab orchestriert wurde, zeigt ein kleines Detail am Rande: Direkt nach Ausstrahlung des CCTV-Berichts über Apple hatten chinesische Prominente im Weibo-Netzwerk Anti-Apple-Kurznachrichten veröffentlicht.
Der populäre us-taiwanesische Schauspieler Peter Ho beklagte sich ebenfalls, er sei als Apple-Fan tief getroffen. Doch am Ende seines Tweets standen zusammenhanglos die Worte: „um etwa 8:20 Uhr posten“. Anscheinend hatte Ho vergessen, die Regieanweisungen zu löschen, nach denen er seine Nachricht veröffentlichte.
Daraufhin richtete sich der Zorn bei Weibo gegen die Staatsmedien. Unter dem Hashtag „8:20h posten“ veröffentlichten diverse Oppositionelle aber auch viele chinesische Bürger ein Manifest für eine unabhängigere Berichterstattung der Staatsmedien.
Auch eine Umfrage unter chinesischen Kunden ging nach hinten los. Als das chinesische Magazin Caijing online fragte, welche Unternehmen in China den schlechtesten Kundenservice bieten, nannten Weibo-Nutzer in großer Mehrzahl staatseigene Banken, Telekommunikationsanbieter und Energieversorger.