Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Das stille Ende der kosmischen Späher

Baku, den 29. Dezember (AZERTAG). Es war kein gutes Jahr für Raumfahrzeuge. 2013 mussten sich Amerikaner und Europäer von verdienstvollen Forschungssatelliten verabschieden - einer davon stürzte in einer feurigen Show zur Erde.

Manchmal ist das Schicksal gnädig mit den betagten Maschinen. Wie zum Beispiel beim Nasa-Infrarotteleskop „Wise“. Das hatte einst aus 2,7 Millionen Einzelbildern eine Himmelskarte von ungekannter Präzision gefertigt und unter anderem zweieinhalb Millionen Schwarzer Löcher entdeckt. Dann war irgendwann das Kühlmittel für wichtige Sensoren aufgebraucht. Nur in wenigen Wellenlängenbereichen konnte das Gerät noch messen. Also schaltete die US-Raumfahrtbehörde das Gerät im Februar 2011 weitestgehend ab.

Doch im September dieses Jahres wurde der Ruheständler nach 31 Monaten Auszeit wieder zur Arbeit gerufen. Als „Neowise“ sucht das Teleskop mit seinen verbleibenden Instrumenten nun nach kosmischen Brocken, die eines Tages der Erde gefährlich werden könnten. Außerdem späht es nach einem Reiseziel für die geplante Asteroidenmission der Nasa. Gerade hat die Behörde das erste Bild des reaktivierten Observatoriums veröffentlicht.

Doch längst nicht alle Raumfahrzeuge können sich über eine derartige Wiedererweckung freuen. Im Jahr 2013 mussten Astronomen auf beiden Seiten des Atlantiks Abschied von zahlreichen verdienten Forschungsgeräten nehmen.

Da ist zum Beispiel der Nasa-Planetenjäger „Kepler“. Er war nicht mehr einsatzfähig, nachdem die Trägheitsräder zur Lagekontrolle kaputtgegangen waren. Mitte August wurde die Mission daraufhin offiziell beendet. Zwar denkt die US-Weltraumbehörde darüber nach, auch mit dem lädierten Teleskop noch Messungen vorzunehmen. Doch mehr als entsprechende Pläne dafür gibt es bislang nicht. „Kepler“ zieht also stumm um die Sonne.

„Herschels“ Hitzetod - Die Europäische Weltraumorganisation (Esa) schickte Ende Oktober den letzten Befehl an ihr Weltraumteleskop „Planck“. Das hatte zuvor feinste Unterschiede in der kosmischen Mikrowellen-Hintergrundstrahlung vermessen, also gewissermaßen dem Nachglimmen aus der Zeit des Urknalls nachgespürt.

Dabei hatte das Teleskop nicht nur eine neue Altersbestimmung des Universums vorgelegt, rund 13,8 Milliarden Jahre, sondern auch die Angaben zu seiner Zusammensetzung korrigiert. „'Planck' hat uns einen größeren Einblick in die Entwicklung des Universums gegeben als jede andere Mission bisher“, so Alvaro Giménez, Esa-Direktor für Wissenschaft und robotische Exploration.

Umso trauriger war das Ende des Satelliten: Im Januar 2012 ging zuerst der Kühlmittelvorrat von „Plancks“ Hochfrequenzinstrument zu Ende. Und im Oktober dieses Jahres war dann auch für das Niedrigfrequenzinstrument Schluss. Aufgefüllt werden kann der Kühlmittelvorrat nicht, das Aus für das Teleskop ist endgültig. Rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt zieht es nun als Hightech-Schrott seine Bahn.

Ähnlich geht es einem weiteren Esa-Teleskop, das einst zusammen mit „Planck“ auf den Weg gebracht wurde. Bei „Herschel“ ist das Kühlmittel, flüssiges Helium, ebenfalls aufgebraucht. Auch im Fall des Infrarotteleskops war von Anfang an klar, dass die Mission nach dreieinhalb Jahren zu Ende gehen und „Herschel“ den Hitzetod sterben würde.

Ende April dieses Jahres war es so weit: Die Instrumente an Bord erhitzten sich über die kritische Temperatur. Mitte Juni wurde dann die komplette Kommunikation eingestellt, der Treibstoff in den Tanks ist komplett verbraucht. „'Herschel' hat uns einen neuen Blick auf ein bis dahin verborgenes Universum erlaubt“, so Esa-Wissenschaftler Göran Pilbratt. Die gesammelten Daten können weiter ausgewertet werden, doch es kommen keine weiteren mehr dazu, seit „Herschel“ verstummt ist. Für mindestens 300 Jahre zieht das Teleskop um die Sonne.

Zerbrochen über den Falkland-Inseln - Ein furioseres Ende hatte dagegen der Esa-Satellit „Goce“. Er hatte rund vier Jahre lang das Schwerefeld der Erde untersucht - und war ihm im November schließlich zum Opfer gefallen. Seit Missionsbeginn war der Satellit in einer extrem niedrigen Umlaufbahn um die Erde geflogen. Und obwohl er extra über ein besonders schnittiges Design verfügte, wurde er in rund 250 Kilometern Höhe von den feinen Resten der Erdatmosphäre abgebremst. Das passierte zwar deutlich langsamer als vor der Mission vermutet. Doch am Ende schlug, nachdem der Treibstoff des Satelliten aufgebraucht war, die Schwerkraft unerbittlich zu: „Goce“ brach über dem Südatlantik auseinander und verglühte teilweise.

Bei der Nasa wiederum musste man mit dem Verlust gleich mehrerer Sonden und Satelliten klarkommen. Der ferne Kometenjäger „Deep Impact“ kann seit August nicht mehr erreicht werden. Seit September ist die Mission offiziell zu Ende. Schon im Juni schickten die Nasa-Experten das letzte Kommando an den Erdbeobachtungsveteranen „Landsat 5“. Er hatte unseren Heimatplaneten rund 30 Jahre lang aus dem All inspiziert - dabei war die Mission zunächst nur auf drei Jahre angelegt gewesen.

Doch „Landsat 5“ lief und lief und lief. Bei mehr als 150.000 Erdumrundungen kamen mehr als 2,5 Millionen Bilder zusammen. Sogar das Guinness-Buch würdigte den langlebigsten Erdbeobachtungssatelliten aller Zeiten. Irgendwann wollte die Technik einfach nicht mehr. Im Jahr 2012 zeigten sich immer mehr Probleme. Das letzte Foto schickte „Landsat 5“ am 6. Januar dieses Jahres. Nun fliegt er in einem Friedhofsorbit um die Erde, in dem Kollisionen mit anderen Satelliten verhindert werden sollen.

Denn, dass verdiente Satelliten am Ende ihrer Lebensdauer irgendwann den Dienst quittieren, ist eine Sache. Dass sie anderen, noch aktiven Kollegen gefährlich werden, eine ganz andere. 

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