Disney zieht Produktion aus Bangladesch zurück
Baku, den 3. Mai (AZERTAG). Nach dem fatalen Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch stoppt Disney als erster Großkonzern seine Produktion im Land. Das Unternehmen rief Händler und Lizenznehmer dazu auf, sich aus „Höchstrisikoländern“ zurückzuziehen.
The Walt Disney Company will künftig keine Merchandise-Artikel mehr in Bangladesch herstellen lassen. Wie der US-Sender CNN berichtet, rief der Konzern Händler und Lizenznehmer auf, die Produktion an andere Standorte zu verlagern.
Beim Einsturz eines Fabrikkomplexes in dem südasiatischen Land waren vor wenigen Tagen mehr als 400 Menschen gestorben, noch immer suchen Helfer in den Trümmern nach weit mehr als 100 Vermissten. In der Fabrik wurden auch Produkte für den deutschen Markt hergestellt, Helfer und Aktivisten wollen unter anderem Kleidungsstücke des Textildiscounters Kik in den Trümmern gefunden haben.
Disney teilte nun mit, die Entscheidung sei schon vor Monaten gefallen. Ihr ging ein Fabrikbrand in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka voraus, der mehr als hundert Todesopfer gefordert hatte. Zudem will Disney ab April 2014 auch nicht mehr in vier anderen „Höchstrisikoländern“ produzieren: Ecuador, Venezuela, Weißrussland und Pakistan.
„Nach langem Nachdenken und Diskussionen halten wir es für die verantwortlichste Art mit den Herausforderungen in unserer Versorgungskette umzugehen“, sagte Bob Chapek, Präsident von Disney Consumer Goods, zu „CNN“. Disney ist die erste große Marke, die ihre Produktion in dem Land vollständig einstellt.
Die Textilindustrie ist in Bangladesch ein bedeutender Wirtschaftszweig und für rund 80 Prozent der nationalen Exporte verantwortlich. Da viele Arbeiter, insbesondere Frauen, für weniger als 40 Dollar im Monat arbeiten, können ausländische Konzerne hier billig produzieren.
Zwei westliche Firmen hatten zuvor angekündigt, die Opfer der eingestürzten Textilfabrik vor Ort zu unterstützen. Die kanadische Supermarktkette Loblaw erklärte, die Betroffenen und ihre Familien sollten „jetzt und in der Zukunft“ Hilfe erhalten. Einen konkreten Betrag nannte das Unternehmen zunächst nicht. Zuvor hatte schon die britische Billigtextilkette Primark Unterstützung für die Opfer zugesagt.