Eisbären stammen von irischen Braunbären ab
Baku, den 9. Juli (AZERTAG). Sie gelten als Feinde - Braunbären und Eisbären bekämpfen sich in freier Wildbahn. Doch die Tiere haben ein Geheimnis: Sie paarten sich viel häufiger als angenommen, stellten Forscher nun fest. Ihr gemeinsamer Vorfahre lebte unlängst in Irland.
Eisbären und Braunbären kommen sich eigentlich ungern in die Quere: Treffen beispielsweise Grizzlys und Polarbären aufeinander, greifen sie sich oft an. Biologen begründen die Unterschiede beider Arten: Polarbären spalteten sich vor etwa 150.000 Jahren von den Braunbären ab - das bewies ein etwa 120.000 Jahre alter Eisbär-Kieferknochen. Das heißt, aus einer Tierart entwickelten sich über Tausende von Jahren zwei völlig ungleiche Bären.
Doch 2010 erlebten Forscher eine Überraschung: Sie entdeckten in Kanada einen sogenannten Pizzly-Bär mit weißem Fell und braunen Tatzen. Der Fund erregte unter Biologen enormes Aufsehen, denn er entpuppte sich als Kreuzung aus Grizzly und Eisbär, und zwar in zweiter Generation: Das bedeutet, die Mutter war bereits ein Mischling und der Vater ein Grizzly.
Wissenschaftler der Penn State University sind diesem Rätsel nachgegangen und haben dabei das Auftreten solcher Mischbären und die Evolution der Eisbären in ein völlig neues Licht gestellt: Beth Shapiro und ihre Kollegen fanden heraus, dass sich die eigentlich völlig verschiedenen Bären auch in den letzten 100.000 Jahren erfolgreich gepaart haben.
Die Biologen analysierten die Erbsubstanz DNA von mehr als 200 Braun- und Eisbären. Die Forscher stellten dabei fest, dass der weibliche Vorfahre aller noch lebenden Polarbären ein vor 9000 Jahren ausgestorbener Braunbär war. Er lebte in einer Population während der letzten Eiszeit, also vor 20.000 bis 50.000 Jahren in der Umgebung des heutigen Großbritanniens und Irland, wie die Wissenschaftler im Fachjournal „Current Biology“ berichten.