Gedämpfte Feierstimmung in Libyen
Baku, den 18. Februar (AZERTAG). Vor zwölf Monaten begann der Aufstand gegen das alte libysche Regime. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ist am Freitag der erste Jahrestag des Revolutionsbeginns gefeiert worden. Überschattet wurde das Jubiläum von einem Konflikt zwischen verdienten Kämpfern und der Übergangsregierung.
Mit Feiern und Kundgebungen haben die Libyer an den Beginn des Aufstandes gegen Diktator Muammar al-Gaddafi vor einem Jahr erinnert. Dabei stand das Gedenken an die im Krieg gefallenen Revolutionäre im Vordergrund. Vertreter von Regierung und Übergangsrat forderten ihre Landsleute auf, nach vorn zu blicken und sich beim Aufbau des neuen Staates zu engagieren. Überschattet wurde der Jahrestag am Freitag durch einen Konflikt zwischen den sogenannten Revolutionsbrigaden und der Übergangsregierung von Ministerpräsident Abdel Rahim al-Kib.
Die Regierung hatte den einstigen Kämpfern angeboten, sich bis zum 17. Februar für einen Job bei Armee oder Polizei registrieren zu lassen. Von diesem Angebot machten viele Kämpfer jedoch nicht Gebrauch. Einige Brigaden erklärten, sie wollten sich nicht auflösen, sondern unter dem gleichen Kommando wie bisher unter dem Dach der Armee oder des Innenministeriums als intakte Einheit bestehen bleiben. Die Regierung will jedoch keine Milizen dulden, die einen bestimmten Stamm oder eine Region vertreten.
Der Aufstand gegen Gaddafi hatte vor einem Jahr mit Protestkundgebungen in den östlichen Städte Bengasi und Al-Baidha begonnen. In der Hauptstadt Tripolis übernahmen die Revolutionstruppen im August die Macht. Die Rebellen, die Unterstützung durch Luftangriffe der Nato erhielten, töteten Gaddafi im Oktober in seiner Heimatstadt Sirte.
Der Vorsitzende des Nationalen Übergangsrats (NTC), Mustafa Abdul Dschalil, sagte in einer Ansprache, die das libysche Fernsehen übertrug, die Strukturen des alten Staates seien schwach. Die Behörden seien durchsetzt von Korruption. Deshalb sei es wichtig, den Staat nach der für Juni geplanten Wahl auf ein neues Fundament zu stellen. Die Bürger, die Regierungschef Al-Kib diese Woche während einer Reise durch die Städte des Ostens traf, forderten die Regierung auf, für Sicherheit zu sorgen und mehr für die Familien der Kriegsopfer zu tun.
In der östlichen Stadt Bengasi hatten die Feierlichkeiten nach Angaben der staatliche Nachrichtenagentur Lana bereits am Donnerstagabend begonnen. Die Organisatoren übergaben dem Bericht zufolge zuerst Mohammed Omar al-Muchtar (91) die „Fackel der Revolution“. Anschließend wurde sie den Angehörigen des ehemaligen Innenminister Abdulfattah Junis überreicht.