Indische Polizei verhaftet zweiten Verdächtigen
Baku, den 22. April (AZERTAG). In Indien ist im Fall der Vergewaltigung eines fünfjährigen Mädchens ein zweiter Tatverdächtiger verhaftet worden. Das bestätigte die Polizei nach einer groß angelegten Jagd auf die mutmaßlichen Vergewaltiger. Man habe den Mann im nordostindischen Bundesstaat Bihar aufgespürt und in Gewahrsam genommen, sagte der Polizeichef der Hauptstadt Neu-Delhi.
In Bihar war am Wochenende bereits der erste Verdächtige verhaftet worden. In Vernehmungen hatte er von einem Mittäter gesprochen und auch dessen Namen genannt.
Das fünfjährige Mädchen war am vergangenen Montag in Neu-Delhi entführt worden. Ihre Peiniger vergewaltigten es mehrmals und ließen das leblose Kind schließlich liegen. Erst am Mittwoch hörten Passanten Schreie aus einer Wohnung, die sich im selben Gebäude wie das Apartment der Eltern befindet. „Wir gehen davon aus, dass die Täter dachten, das Mädchen sei tot“, teilte die Polizei von Neu-Delhi mit. „Deshalb ließen sie von dem Kind ab, in dem Glauben, es würde sie, die Nachbarn, nicht verraten können.“
Indische Medien berichten, das Kind sei auf dem Weg der Besserung und habe bereits mit seinen Eltern sprechen können. Es sei allerdings schwerverletzt. Aus Rücksicht auf die Psyche habe man das Mädchen noch nicht zur Tat befragt, sondern versuche, aus dessen Verhalten Rückschlüsse zu ziehen.
Heute soll nun auch der zweite Verdächtige vernommen werden. Auch er wurde dazu nach Neu-Delhi gebracht, wo er vor Gericht erscheinen soll. Trotz der raschen Festnahme steht die Polizei der Hauptstadt unter großem Druck. Der Vater des Mädchens wirft ihr vor, versucht zu haben, ihm ein Schweigegeld anzubieten, damit der Fall keine großen Wellen schlägt. Man habe ihm umgerechnet knapp 30 Euro geben wollen, nachdem er die Polizei über das Verschwinden seiner Tochter informiert habe. Mehr habe sie zunächst in dem Fall nicht unternehmen wollen.
Premierminister nennt Verhalten der Polizei „inakzeptabel“ - Für Aufsehen sorgt der Fall auch, weil in den vergangenen Wochen mehrere andere Vergewaltigungsfälle Indien erschüttert haben. Im Dezember war eine 23-jährige Frau nach einer Vergewaltigung durch sechs Männer gestorben, im März war eine Schweizer Touristin vor den Augen ihres Partners vergewaltigt worden.
Gewalt gegen Frauen ist in Indien kein neues Phänomen, doch der Fall der gestorbenen Studentin im Dezember hat im Land einen Ruck ausgelöst. Schwiegen die Familien vergewaltigter Frauen bislang aus Scham, zeichnet sich nun eine Wende ab. Der Vater der Ermordeten wehrte sich gegen den Vorwurf, seine Tochter sei selbst daran schuld, vergewaltigt worden zu sein. Er machte ihre Identität öffentlich, die Proteste gegen die Vergewaltiger hielten wochenlang an. Über den Fall wurde weltweit berichtet.
Am Wochenende war der Missbrauch der Fünfjährigen das beherrschende Thema auf den Titelseiten der indischen Zeitungen. Premierminister Manmohan Singh sah sich genötigt, das Verhalten der Polizei „inakzeptabel“ zu nennen. Demonstranten in Neu-Delhi fordern die Entlassung des Polizeichefs, andere verlangen den Rücktritt von Innenminister Sushil Kumar Shinde.
Indiens Regierung wollte nach dem Vergewaltigungsfall im Dezember neue Gesetze auf den Weg bringen und ließ Vorschläge zur Stärkung von Frauenrechten erarbeiten.