Japan will 2012 mit Entseuchung starten
Baku, den 12. November (AZERTAG). Nach dem Atomunglück in Fukushima muss Japan riesige radioaktiv belastete Gebiete reinigen. Jetzt hat die Regierung einen Fahrplan für die Dekontamination vorgelegt. Anfang 2012 sollen die ersten Reinigungstrupps ausrücken - das Land hat ehrgeizige Ziele. Japan steht vor einer enormen Aufgabe: Mehrere Millionen Kubikmeter Boden sind nach dem AKW-Unglück von Fukushima radioaktiv kontaminiert und müssen entsorgt werden. Seit mehr als einem halben Jahr warten die etwa 160.000 ehemaligen Bewohner der verseuchten Gebiete darauf, wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können - jetzt hat ihnen die Regierung zumindest einen groben Fahrplan in Aussicht gestellt.
Mit Beginn des kommenden Jahres, so der Beschluss vom Freitag, soll mit der großflächigen Dekontamination radioaktiv belasteter Gebiete begonnen werden. Das Ziel der Regierung ist ambitioniert: Bis August 2013 soll die Strahlenbelastung für die Bürger in jenen Gebieten, die Strahlenwerte unter 20 Millisievert pro Jahr aufweisen, halbiert werden. Für Kinder wird eine Reduzierung um 60 Prozent angestrebt.
In ausgewiesenen Sonderdekontaminationsgebieten, in denen die Strahlenbelastung zwischen 1 und bis zu 20 Millisievert im Jahr beträgt, werden Häuser, Straßen, landwirtschaftliche Felder und Wälder vom Atombetreiber Tepco sowie der Regierung gereinigt.
Die Planung der Regierung sieht ferner vor, in Gebieten, wo die Strahlenwerte über 20 Millisievert jährlich liegen, die Belastung schrittweise zu reduzieren. Hier gibt es also kein konkretes Datum. Dazu gehört die Sperrzone im Umkreis von 20 Kilometern um die Atomruine Fukushima Daiichi. Der Staat übernimmt die Verantwortung und die Kosten der Reinigungsarbeiten. Doch wie effizient sich die Maßnahmen umsetzen lassen, bleibt abzuwarten.
Die abgetragene Erde und Schutt sollen in Zwischenlager abtransportiert werden. Auch die Asche von Abfallverbrennungsöfen, die mit über 8000 Bequerel pro Kilogramm strahlt, muss zwischengelagert werden. Die Entsorgungsfrage ist jedoch noch offen. Die Regierung drängt daher lokale Behörden, Abraum zu sammeln, bis ein Endlager für diesen leicht strahlenden Abfall gefunden ist. Allerdings zögern noch viele Gemeinden wegen Sorge vor den radioaktiven Strahlen und der noch ungeklärten Endlagerfrage, solche Zwischenlager auszuweisen.
In manchen Orten wurde der Boden bereits fünf Zentimeter tief abgetragen. Doch neue strahlende Substanzen, die von den Bäumen gewaschen und geweht wurden, ließen die radioaktive Belastung auf dem gereinigten Boden wieder ansteigen. Ein neues Gremium aus Ministern will laut Medien nun in Kürze zusammentreten, um zu beraten, wie die Reinigungsarbeiten vorangebracht werden können.