Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Jeder US-Raucher kostet Arbeitgeber 5800 Dollar im Jahr

Baku, den 4. Juni (AZERTAG). In den USA kostet jeder rauchende Beschäftigte seinen Arbeitgeber im Schnitt 5800 Dollar im Jahr zusätzlich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von Forschern der Ohio State University um Micah Berman, die nun im „Tobacco Control Journal“ erschienen ist, einer Publikation, die zum renommierten „British Medical Journal“ gehört.

Bei der Untersuchung handelt es sich um eine sogenannte Metastudie. Für ihre Analyse bedienten sich die Forscher vor allem Vorarbeiten kanadischer und US-amerikanischer Autoren. Sie stützen sich unter anderem auf Analysen der US-Seuchenschutzbehörde Centers for Disease Control (CDC) und des Conference Board of Canada, einem unternehmensfinanzierten Wirtschaftsforschungsinstitut.

So kommen die Forscher auf die durchschnittlichen Mehrkosten von 5816 Dollar jährlich für jeden rauchenden Arbeitnehmer.

Raucherpausen verursachen Kosten von 3077 Dollar. Die Autoren gehen davon aus, dass Raucher im Schnitt zwei Zigaretten am Tag während der Arbeitszeit rauchen. Für jede Zigarette kalkulieren sie 15 Minuten für den eigentlichen Konsum inklusive dem Weg zur Raucherzone und zurück. Insgesamt würden einem Raucher also 30 arbeitslose Minuten am Tag bezahlt.

Das Conference Board of Canada schätzt die Dauer einer Zigarettenpause hingegen mittlerweile auf 20 Minuten. Grund sei, dass inzwischen das Rauchen auf dem Firmengelände häufig verboten sei - die Raucher müssten also weitere Wege zurücklegen als bislang. Legt man diese Schätzung zugrunde, stiegen die jährlichen Kosten für Raucherpausen sogar auf 4103 Dollar. Setzt man hingegen nur acht Minuten für eine Raucherpause an - wenn etwa ein Raucherraum in unmittelbarer Nähe ist - sinken die Mehrkosten auf 1641 Dollar.

Höhere Krankenversicherungskosten schlagen mit 2056 Dollar im Jahr zu Buche. Die Autoren gehen dabei von einer Besonderheit in den USA aus. Dort übernehmen gerade Großunternehmen die Funktion von Krankenversicherungen. Rund 55 Prozent aller Beschäftigten in der US-Privatwirtschaft sind auf diese Weise also quasi bei ihrem Arbeitgeber versichert. Entscheidend für die Berechnung ist die Frage, wie hoch der Anteil der raucherbedingten Kosten im Gesundheitswesen ist. Laut Studie schwanken die Schätzungen zwischen 3,5 und 14 Prozent - die Autoren haben für ihre Berechnung einen Anteil von acht Prozent gewählt.

Krankheitsbedingte Fehlzeiten eines Rauchers kosten die US-Arbeitgeber jährlich im Schnitt 517 Dollar mehr als bei einem Nichtraucher. Laut verschiedenen Untersuchungen fehlen Raucher in den USA 2,3 bis 2,9 Tage mehr in der Arbeit als Arbeitnehmer, die nie geraucht haben. Die Forscher legten ihrer Berechnung den Mittelwert von 2,6 mehr Fehltagen zugrunde.

Entzugserscheinungen verursachen einen Schaden von jährlich 462 Dollar. Die Studie geht davon aus, dass Raucher binnen 30 Minuten nach der letzten Zigarette „physische und psychische“ Entzugserscheinungen zu spüren beginnen - Konzentration und Leistung also leiden. Die Forscher schätzen, dass die Produktivität eines Rauchers daher um ein Prozent niedriger liegt als die eines Nichtrauchers.

Bei den Pensionskosten sparen Unternehmen hingegen 296 Dollar im Jahr, weil Raucher früher sterben. Allerdings gelte diese Entlastung nur für spezielle Pensionsmodelle, die lediglich für 21 Prozent der Beschäftigten in der US-Privatwirtschaft zuträfen.

Zwar betonen die Autoren in ihrer Studie, diese könne US-Arbeitgebern lediglich eine Richtschnur bieten, sich über die zusätzlichen Kosten für rauchende Arbeitnehmer zu informieren. Die angegebenen Summen seien in keinem Fall als präzise Vorhersagewerte für die eigenen Angestellten zu verstehen.

Studie kaum auf Deutschland übertragbar - In der Tat sind die Beträge, die Berman und seine Mitautoren angeben, nur scheinbar genau. Zu jedem der Kostenpunkte ermittelten andere Forscher Spannen, die teilweise von weniger als der Hälfte des angegebenen Schätzbetrags bis zum gut Dreifachen reichen.

Die Ergebnisse der Studie sind allerdings ohnehin nur sehr begrenzt auf die Verhältnisse in Deutschland übertragbar - etwa durch die grundlegend unterschiedlichen Gesundheitssysteme. So sind die Krankenversicherungsbeiträge für Raucher und Nichtraucher in Deutschland gleich hoch, dem Arbeitgeber entstehen durch einen rauchenden Arbeitnehmer also zumindest keine direkten Mehrkosten. Im Gegenzug werden Unternehmen aber auch nicht durch eventuell niedrigere Ausgaben für Pensionen entlastet. Allein diese beiden Aspekte reduzieren die Kosten deutscher Arbeitgeber im Vergleich zu US-Firmen um rund 30 Prozent.

Doch auch bei vergleichbaren Aspekten wirft die US-Studie Fragen auf. Zwar existiert keine exakt entsprechende Studie für Deutschland. Die Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Michael Adams und Tobias Effertz - ausgewiesene Kritiker der Tabakindustrie - haben in einer Studie jedoch die volkswirtschaftlichen Gesamtschäden berechnet, die Deutschland durch das Rauchen entstehen. Auch das Deutsche Krebsforschungszentrum verwendet die ermittelten Beträge. Sie sind enorm: 2012 lagen sie demnach bei mindestens 35 Milliarden Euro oder 2180 Euro im Schnitt für jeden Raucher - vor allem durch die hohen Gesundheitskosten und den Verlust an menschlichen Ressourcen durch den frühen Tod der Raucher.

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